Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 6/7 (6.1909)
- Date
- 1909-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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104 No. 6/7 faden nur zur Kenntnisnahme und zur Beschlußfassung übergeben. Ich halte es daher für eine Übereilung, wenn wir heute einen derartigen Beschluß fassen würden, und empfehle Herrn Schwarz, seinen Antrag in eine Anregung abzuändern. Es ist zu berücksichtigen, daß sich die Einführung der hebräischen Kommandosprache nicht von selbst erledigt, wenn wir diesen Beschluß fassen, sondern es kommt doch darauf an, daß sie tatsächlich praktisch eingeführt wird, und das ist nur möglich auf Qrund eingehender Studien. Wir werden in kurzer Zeit den Entwurf von Herrn Orloff erhalten und dann den Verlag seines Leitfadens vielleicht übernehmen. Ich meine, es würde zweckmäßig sein, einen Beschluß heute nicht zu fassen, sondern daß wir die Anregungen von Schwarz als wertvolles Material zu den Akten nehmen, aber nicht in der Weise, um diese Sache in Jahr und Tag wieder vorzunehmen, sondern um uns möglichst bald an die Regelung dieser Frage zu machen. Wir können diese Frage keineswegs mit wenigen Worten erledigen. Welche Schwierigkeiten die Angelegenheit macht, geht schon daraus hervor, daß ein Mann wie Herr Orloff, der der hebräischen Sprache in vollkommenem Maße mächtig ist, uns heute erklären muß, zu einem Abschluß sei der Leitfaden noch nicht gelangt, das erfordere sehr viel Arbeit. Herr Schwarz: Der Antrag ist nur in dem Sinne gemeint, daß die hebräische Kommandosprache im Prinzip beschlossen wird. Scholein: Ich bitte darum, daß vorläufig noch nicht im Prinzip darüber beschlossen wird. Das Ganze ist von so großer Tragweite, daß mWes nicht ohne Anhören aller Momente beschließen kann. Ich stehe auch auf dem Standpunkt, daß es sehr wünschenswert ist, wenn in allen jüdischen Turnvereinen in hebräischer Sprache kommandiert wird. Aber etwas anderes ist es, ob dieser Wunsch in die Tat umgesetzt werden kann. Wir sind im wesentlichen auf die deutsche Kommandosprache angewiesen, da das Schwergewicht der jüdischen Turnbewegung auf Deutschland und auf Deutschösterreich ruht. Es kann kein Vergleich mit der Armee-Kommandosprache angeführt werden. Mit einigen wenigen hebräischen Kommandoworten ist es nicht getan. Wir können einen solchen Beschluß nicht einfach im Prinzip fassen^ wenn wir nicht imstande sind, ihn praktisch durchzuführen. Erst wenn das Schwergewicht der Jüdischen Turnerschaft mehr nach dem Osten verlegt sein wird, kann diesem Antrage stattgegeben werden. Man muß sich auch vergegenwärtigen, daß in allen Vereinen die Zahl der Turnleiter eine beschränkte ist. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, daß ein christlicher Turnlehrer mit einem Mal hebräisch lernen soll. Er wird es weder wollen noch können. Wir müssen nur dem Ausschuß das Material des Herrn Schwarz überweisen und abwarten, was der Leitfaden von Orloff ergeben wird. Dr. Werner: Wir sind alle von der Wichtigkeit der hebräischen Kommandosprache überzeugt, doch läßt sich in allen Vereinen mit Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse nicht gut eine Änderung einführen. Ich möchte beantragen, daß der Antrag Schwarz dem Ausschuß zur weiteren Behandlung Uberwiesen wird, daß aber dem Ausschuß zugleich aufgetragen wird, dafür Sorge zu tragen, daß in allen jenen Fällen, wo eine nicht deutsch* Kommandosprache in jüdischen Turnvereinen besteht, insbesondere aber i"