Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 5 (5.1909)
- Date
- 1909-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 65 baren Eigenschaften werden jedoch geradezu unterdrückt, wenn der Turner immer die schützenden Arme des Vorturners um sich weiss. Schliesslich •st eine Sehnenzerrung oder eine Blutbeiile auch kein Unglück. Daran stirbt man nicht. In den zehn Jahren seines Bestandes sind im „Ersten Wiener jüdischen Turnverein" nur unbedeutende Verletzungen vorgekommen. Keiner der Verletzten trug einen dauernden Schaden davon. Das Risiko des turnenden Vereinsmitgliedes ist also nicht allzugross. Aber in einer anderen Hinsicht war es bisher bei uns recht schlecht bestellt — nämlich in Bezug auf die erste Hilfeleistung, wenn gerade kein Aizt am Turnplatz anwesend war. Ist es doch kein Zweifel, dass unwissende oder vor Aufregung kopflose Helfer einem Verunglückten mehr schaden können als die Verletzung, d'e er sich zugefügt hat, und dass mitunter die „erste Hilfeleistung" als der eigentliche Unfall zu betrachten ist. In richtiger Erkenntnis der erwähnten Mängel hat der Turnwart unseres Vereins beschlossen, erstens den vorhandenen Verbandkasten neu einzurichten und zweitens die regelmässige alljährliche Abhaltung von Kursen über „Unfälle und erste Hilfe am Turnplatz" zu veranlassen. In meiner doppelten Eigenschaft als Arzt und Turnwart wurde ich mit dieser Aufgabe betraut und habe mich derselben um so lieber unterzogen, als die Bedingung, Interesse und Verständnis für die Sache seitens der Turner und •urnerinnen kaum etwas zu wünschen übrig Hessen. Die Vorträge, die von 18 Turnern und 27 Turnerinnen besucht waren, fanden an vier aufeinander folgenden Freitagen von 8—9 Uhr abends im •urnratszimmer statt und enthielten etwa folgendes: I. . Das Wichtigste über Bau und Funktionen des menschlichen Körpers. ^Demonstration an den lebensgrossen. zerlegbaren anatomischen Wandtafeln v°n Schreiber.) II. Verletzungen mit Durchtrennung der Haut. Blutstillung. Begriff der Antisepsis und Asepsis. Schädlichkeit der antiseptischen Mittel in stärkeren Konzentrationen. Der aseptische Wundverband. III. .... Verletzungen ohne Durchtrennung der Haut. Blutungen aus Körpereigen (Nase, Mund, Lunge, Magen). Chok, Ohnmacht, Gehirnerschütterung. J/'ederbelebungsversuche, künstliche Atmung. Verstauungen, Verrenkungen, ^uochenbrüche. Schienenverbände. IV. v Praktische Übungen im Anlegen von Verbänden und Transportieren erletzter. Besprechung des Entstehungsmechanimus der häufigsten Verdungen am Turnplatz, z. B. Verstauchung des Sprunggelenks oder Knöchel- °ruch beim Abrutschen vom Rande des Sprungbrettes etc. Das Inventar des Rettungskastens enthält hauptsächlich: p Schienen von Holz und Pappdeckel verschiedener Qrösse. Einen Witschen Stiefel. Dreieckige Tücher und Sicherheitsnadeln. Ein Bosses Packet nicht entfetteter Baumwolle zum Polstern von Schienen. Für aseptischen Verband: 2 Gleichsehe Dosen mit Brunsscher Watte und steriler Oaze (geschnitten). Eine anatomische Pinzette und eine Schere in verschlossener