Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 5 (5.1909)
- Date
- 1909-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 61 Fürsorgeerziehung lieiern, so erscheint das Verhältnis für die jüdische Jugend noch günstiger. Allerdings ist hier die verschiedene berufliche Gruppierung mit in Betracht zu ziehen. Die am meisten gefährdete proletarische Jugend weist verhältnismässig nur wenig Juden auf. Das Gros der jüdischen Jugend steht im kaufmännischen Berufe. Auch diese Jugend ist mannigfachen verderblichen Einflüssen preisgegeben, die zum Glück nicht bis zu kriminalstatistisch greifbaren Folgen führen müssen. Beklagt wird von aufrichtigen Freunden des Judentums und der jüdischen Jugend, dass innerhalb der letzteren eine Neigung zur ödesten Verflachung des Gemütes sich kundgibt, dass sie dem jüdischen Heim, das ihnen Halt und Rückgrat bot, entzogen, dem Judentum und damit einer unerschöpflichen Quelle der Gefühls- und Charakterbildung entfremdet wird. Die Ausnützung der von den Geschäftsstunden freien Zeit geschieht vielfach in unzweckmässiger und schädlicher Weise; in dem verfrühten und übermässigen Aufsuchen von nichtigen oder gefährlichen Vergnügungen wird der Grund erblickt 2u einer physisch und ethisch ungesunden Persönlichkeitsentwicklung. Angesichts dieser Erscheinungen verdienen die Bemühungen, die jungen Leute in Vereine zusammenzuschliessen, ihnen dort Gekgenheit zum freundschaftlichen Verkehr, zu geselligen Vergnügen, 2ur sittlichen Stärkung, zur geistigen Belehrung und zur Hebung ihres jüdischen Bewusstseins zu geben, volle Anerkennung. Wer die Verhandlungen über das Thema der Jugendvereine auf dem Delegiertentage des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im Februar d. J. verfolgt hat, wird indessen wohl erkannt haben, dass die Methodik der Organisation, die Technik der Praxis noch mannigfachen Schwierigkeiten unterliegt. Sicher werden bei gutem Willen und mit fortschreitender Erfahrung die Hemmmsse zu einer gedeihlichen Entwicklung des Jugendvereinswesens überwunden werden können. Aber man darf das Schiff nicht planlos steuern lassen, nicht einem Zickzackkurs preisgeben. Man "alte sich vor Augen, dass in der Entwurzelung der Jugend von dem Boden, aus dem ihren Ahnen die Kraft zur Entwicklung und Entfaltung einer starken, harmonischen Persönlichkeit sprosste, die ntblössung von allen jenen ideellen und ethischen Gütern, in e*en Besitz ihre Vorfahren ein freies, stolzes Selbstbewusstsein *n den Tag legen konnten, kurz, dass die Entfremdung vom Judentum, von einem jüdischen Heim und einer jüdischen Gemeinschaft, die Grundursache jener äusseren und inneren Haltlosigkeit dar-