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Jüdische Turnzeitung · 1909-05-01 · 5 (5.1909) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
5 (5.1909)
Date
1909-05-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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60 No. 5 vom Land zur Stadt macht sich bei dem jüdischen Bevölkerungsbestandteil des Reiches in besonderer Stärke bemerkbar. Ohnehin waren die Juden aus bekannten geschichtlichen Gründen seit dem Mittelalter Städtebewohner. Aber die Anziehungskraft der grossen Bevölkerungszentren steigerte sich in den letzten Jahrzehnten. Während Berlin im Jahre 1861 erst 7,57 pCt. der preussischen Juden beherbergte, wohnten im Jahre 1900 23,50 pCt. aller preussischen Juden in Berlin; im Jahre 1900 lebten von allen preussischen Christen nur 5,27 pCt. in Berlin. In Bayern stieg der Promillesatz der jüdischen Stadtbewohner von 18,0 im Jahre 1840 auf 55,2 im Jahre 1895, der Anstieg bei der übrigen Bevölkerung wuchs von 11,3 auf 24,7. Wenn es ein allgemeines Gesetz der Binnenwanderung ist, dass vornehmlich die jugendlichen und arbeitsfähigen Individuen zur Stadt wandern, so ist dies auch bei der jüdischen Zuwanderung giltig. Im Grossherzogtum Baden, wo wir die kleineren Verhältnisse leichter übersehen können, wurde festgestellt, dass die jungen Leute die Berufe, von welchen sich ihre Väter auf dem Lande ernähren, verlassen und in den Städten neue Erwerbsarten aufsuchen. Von den jüdischen Haushaltungsvorständen in den Landgemeinden waren 86 pCt. Viehhändler, aber nur noch 17 pCt. der jungen Männer wandten sich diesem Berufe zu, während 14 pCt. der Erwachsenen in den Landgemeinden Kaufleute sind, gingen 60 pCt. der jungen Leute zum Kaufmannsberufe über. Letztere wanderten zu diesem Zwecke grösstenteils den grösseren Städten zu. Auch die Zahl der zu Erwerbszwecken in die Stadt übersiedelnden jungen Mädchen ist im Wachsen. Es ist hier nicht der Ort, den Ursachen der jüdischen Binnenwanderung nachzugehen. Es genügt, die Tatsache zu unterstreichen, dass zahlreiche junge jüdische Menschen vom Land in die Städte verzogen sind und ständig verziehen, teilweise freilich mit ihrer Familie zusammen, grösstenteils aber allein. Die Gefahren, den«* die Jugend in grossen Städten ausgesetzt ist, sind hinreichend bekannt. Hervorgehoben zu werden verdient, dass die jüdische Jugend in weit geringerem Masse der sittlichen Verwahrlosung *n' heimfällt, als die übrige. Das gebt u. a. aus der Statistik der Fürsorgeerziehung hervor. Während die Juden in Preussen nach der Zählung vom 1. 12. 05 1,1 pCt. der Gesamtbevölkerung bildeten, stellten sie zu den Fürsorgezöglingen im Jahre 1906 nur 0,3 P^*' Wenn man noch in Erwägung zieht, dass die Städte im gemeinen einen ungleich höheren Anteil zu den Zöglingen der

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