Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 3/4 (3.1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3-4 41 unter dem Voiwande, dass wir keinerlei Politik treiben dürfen, gerne beiseite geschoben sehen möchten. Ein anderer Teil der judischen Turner sieht sowohl das Turnen selbst als auch den Nationalismus als zwei vollkommen gleichwertige Faktoren au, die einander ergänzen und nur in ihrer Zusammensetzung ein wirksames Ganzes bilden. Beide Anschauungen haben fast in jedem Turnverein ihre Anhänger und Verfechter, und es wäre verfehlt, diesen Tatsachen aus dem Wege zu gehen. Für den Ausschuss der Jüdischen Turnerschaft besteht ja in diesem Falle keine Unklarheit. Die leitenden Kreise stimmen, wie aus dem Leitworte der Jüdischen Turnzeitung und aus unzähligen Handlungen und Abhandlungen zu ersehen ist, vollkommen darin überein, dass das Turnen mit der nationalen Idee Hand in Hand gehen muss, wenn die Turnbewegung dem jüdischen Volke dauernden Nutzen bringen soll. Im praktischen Leben der Turnvereine geraten nicht selten die guten Leitmotive des Ausschusses der Turnerschaft in eine arge Zwickmühle, sie werden den gegebenen Verhältnissen angepasst und bekommen auf diese Weise bisweilen ein Aussehen, welches sich vom ursprünglichen Zustande nur zu wesentlich unterscheidet. Es gilt nun, zu untersuchen, ob die Anpassung an die „gegebenen" Verhältnisse der Notwendigkeit entspricht. Das Material, das die jüdischen Turnvereine frequentiert, war und ist manm'gachen Ursprunges. Eine nicht unbedeutende Anzahl von Vereinsmitgliedeiti 'st aus politischer Überzeugung, der Parole der Zionistenkongres&e gemäss, W'seren Vereinen beigetreten, einen zweiten Teil hat die Agitation und der all gebracht, während der Rest aus rein hygienischen Rücksichten unseren ürnboden aufsucht. Aufmerksame Beobachter unserer Vereine haben sicher- •ch die Wahrnehmung gemacht, dass sich das Verhältnis in der letzten Zeit " ° ge Anwachsens der nationalen Bewegung zugunsten der Erstgenannten edeutend verschoben hat, und es ist naheliegend, dass aus diesem Orunde die wählende Erziehungsmethode gleichfalls eine Änderung erfahren sollte, 'st unmöglich, obige Annahme in Ziffern auszudrücken, da uns jede diesezugliche Statistik fehlt, aber die Schätzung, dass unsere Turnvereine gegenartig aus zirka 55—60 Prozent Nationaljuden und solchen, die der Bevegung nahestehen, aus 35—40 Prozent Indifferenten und kaum 5 Prozent ,. similanten bestehen, dürfte am ehesten den Anspruch auf Wahrscheinlichkeit erheben können. Diese Ziffern rechtfertigen keinesfalls die nicht ganz einwandfreie PPortunitätspolitik in unseren Vereinen und weisen mit Deutlichkeit daraui ,n. dass solche Vereine ihre Pflichten nicht erfüllen, die das ihnen zu Oc- 0 e stehende indifferente Material national zu erziehen verabsäumen. Durch yas ^UTnen allein kann dies keinesfalls erreicht werden, und wir müssen ^on dem Vorwurfe verschont bleiben, dass jüdische Turner ihren Verein nso national ungeschult verlassen, wie sie ihn vor Jahren betreten haben, erall im Leben muss der Mensch sich Zweck und Ziel seiner Arbeit vor gulf6" halten- Wonl erreichen wir durch das Turnen die körperliche Kräftilich8 Einzelnen' aber naben wir auch die Gewähr dafür, dass bei ängst- , er oder Sleichgültiger Behandlung der nationalen Frage, alle, die in ha]tenenM^Kreinen ihre 0r*ane stärkten, auch dem jüdischen Volke erbleiben? Haben wir es nicht erlebt, dass Turner aus nichtigen