Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 3/4 (3.1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4921092-5965117-5965288--2389-4925210- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 3-4 37 Es braucht kaum gesagt zu werden, dass in den allerersten Kindesjahren von einer besonderen jüdischen Erziehung noch nicht die Rede sein kann, wenn das Kind nicht gerade in rein jüdischem Milieu bei hebräischer oder teilweise hebräischer Umgangssprache aufwächst. Die bewunderswerte Ausnahme im Hause unseres Alten Herrn Dr. H. L., dessen Töchterchen auf Berliner Boden Hebräisch als Muttersprache erlernte, bestätigt ja wohl nur die Regel. Das erste Ziel, um es drastisch auszudrücken, ist, das Kind zum Turner, »nd erst die weitere Aufgabe, es zum jüdischen Turner zu machen. Von Anfang an wird jedenfalls darauf zu achten sein, nicht etwa durch einseitiges Herum- P«uken au* dem Intellekt eine in schlechtem Sinne jüdische Erziehung einzuleiten. Was ich mit diesen anspruchslosen Zeilen empfehlen möchte, ist, bei dem gesunden Kinde so früh wie möglich mit einfachen körperlichen Übungen, sei es den von mir zu schildernden oder anderen zu beginnen. _ In Müllers bekanntem Büchlein „Mein System" findet sich meines tfinnerns zum Schluss ein reizendes Bildchen. Die Mutter hat ihr Kind eben gewaschen und frottiert, der Vater kommt hinzu. Während nun die Mutter die Knie des munteren Lieblings durchdrückt, streckt ihm der Vater die beiden Daumen entgegen. Der kleine Mann umklammert sie mit seinen Fäusten und wird durch sanften Zug veranlasst, sich aus der Liegeln die Sitzstellung aufzurichten, immer bei durchgedrückten Knien. Bei regelmässiger Wiederholung der Übung wird der Zug von Seiten des Vaters nachlassen können, und das Kind wird sich immer mehr durch eigenes Klimmzienen aufrichten. Hierbei werden offenbar nicht nur die Arm-, sondern auch d|e Bauchmuskeln gestärkt. Dem von Müller gegebenen Winke folgend, habe ich gefunden, dass 16 Daumen des Vaters in der Tat das von der Natur selbst gebotene erste "nd beste Turngerät für das Kind darstellen. Es lernt gar bald, danach zu greifen, sich daran festhalten und daran hängen — der Anfang der Reckungen ist damit gemacht. Man kann dem an den Daumen hängenden Kinde |"uhig die Freude machen, es hochzuheben, da man mit der hohlen Hand nach e,r Paust des Kindes greifen kann, sobald man ein Nachlassen verspürt. Man Wlrd aber gut tun, zunächst eine von beiden Händen zu halten und nur der anderen den Daumen zu bieten, bis beide Fäuste sich genügend an das Festhalten gewöhnt haben. Mit diesem Hinaufziehen pflege ich die Übungen mit meinen Kindern zu beginnen. Was dann folgt, werden andere als Übungen des Kindes vieleicht nicht bezeichnen, weil es dabei ganz passiv ist. Ich glaube aber die Praktische Erfahrung gemacht zu haben, dass die Bewegungen, die ich mit ae" Kindern vornehme, ihren Körpern durchaus dienlich sind. Die Qlieder werden vielfach gestreckt und, wie ich meine, hierdurch stärker und geschmeidiger. Da ist zunächst das Schwingen; es geschieht in doppelter Weise. »wial Qesicht gegenüber Qesicht. Ich fasse die Händchen und schwinge den hefr " naCh hinten und wieder zu mir (ich stehe «spreizt), beides nicht allzu mir i,aber doch ausgiebig. Sodann stellt sich das Kind mit dem Rücken zu halh erere'*e wieder die Händchen und schwinge es abwechselnd an meiner a'orechten und halblinken Seite entlang, wobei ich jedesmal selbst eine halbe Wendung mache. Es folgen die Purzelbäume, ebenfalls in zwiefacher Ausführung, ' e' zu- und abgewandter Stellung des Kindes. Ich fasse es fest in den Hüften