Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 3/4 (3.1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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38 No. 3-4 und stürze es mit vollständiger Drehung über meinen Kopf. In einem Falle kommt es auf meinen Schultern, im andern rücklings auf meinem Kopfe zu sitzen. Der Rückschwung zur Grundstellung ergibt allemal eine sicherlich fördersame Streckung des Kreuzes. Beim Rückschwung halte ich das Kind unter den Achseln. Schwingen und Purzelbäume, wie geschildert, haben das miteinander gemein, dass sie eine Drehung um die Querachse bedeuten. Die Schlussübung besteht nun darin, dass ich das Kind bei zu- und bei abgewandter Stellung an den Händen greife und es mit seitlicher Drehung, also um seine Längsachse, nach links oder rechts auf meinen Rücken werfe. Das Kind wird dann auf demselben Wege (oder auch mit Drehung nach der andern Seite) wieder nach vorn auf die Erde gestellt. Diese Übung, die sich demnach aus vier Doppelgängen zusammensetzt, weckt auf den ersten Blick das Bedenken, ob denn die Schultergelenke des Kindes für diese Drehungen ohne weiteres geeignet sind. Ich habe beobachtet, dass, eine gewisse Geschicklichkeit des Vaters vorausgesetzt, dieses Bedenken nicht stichhaltig ist. Der Lohn für alle Mühe ist ein Scherz, der bei jeder Wiederholung neuen Jubel erregt. Werte ich nämlich das Kind bei abgewandter Stellung auf meinen Rücken, so kommt es in eine behagliche Reitstellung, hält sich am Halse fest, und ich rufe: „Wo ist denn der Schlingel?" und beginne, ihn überall, unter Tischen und Bänken zu suchen, bis ich ihn auf meinem Rücken entdecke und mit elegantem Schwung seitlich herunterwerfe. Will man alle diese Übungen für Turnübungen nicht des Kindes, sondern des Vaters erklaren, so habe ich nichts dagegen. Wächst das Kind zu 4 und 5 Jahren heran, so gehört allerdings nicht nur Gewandtheit, sondern auch Kraft dazu, die Übungen mit ihm auszuführen. Da aber das Kind nur allmählich wächst, so wird auch die Kraft des Vaters entsprechend wachsen, sofern nur die Übungen in gebührender Regelmässigkeit vorgenommen werden. Und wir kommen zu einer ähnlichen Entdeckung wie oben: D»s Kind ist das natürliche Turngerät des Vaters. Sonach sind Hanteln für — Alte Herren überflüssig. Ms. Fr.-Charlottenburg- Körperkultur. Von Turnlehrer Erich Burin, Bar Kochba-Berlin. Das Turnen verlangt Unterordnung unter das einmal Bestehende, der Sport verlangt Freiheit, Initiative und eigene Erfindung. Das Turnen hat Geräte und Übungen künstlich ersonnen, der Sport will nur die angeborenen, natürlichen Bewegungen benutzen. Der Sport sieht die Schönheit in der Ungezwungenheit der Bewegung und Körperhaltung, in der weichen Linie; das Turnen sie»» die Schönheit in der straffen Gespanntheit, in °er „Strammheit'". Diesen Satz stellt Oberlehrer Dr. Georg W e n d e r o t h - Friedenau in seiner, das Programm des „Nationalen Hallensportfestes" vom 7. Februai 1909 in Berlin einleitenden Arbeit über „Erziehung zum Sport" auf.