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Jüdische Turnzeitung · 1909-03-01 · 3/4 (3.1909) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
10 (1909)
Issue
3/4 (3.1909)
Date
1909-03-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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36 Na 3-4 geistigen Leistungen verursacht hat. Nicht immer ist den jüdischen Arbeitern mit Unrecht der Mangel an Ausdruck, an grossen Gesichtspunkten und an weitem Blick vorgeworfen worden. Wie die Verhältnisse liegen, können Massregeln zur Reform, zur Aufbesserung zunächst unserer physischen Kräfte nur in Vereinen ausgeführt werden, wo die bei uns zahlreichen Schwachen, Verweichlichten, Verkümmerten und selbst Degenerierten beiderlei Geschlechts ungeniert über ihre Fehler wohlwollend belehrt werden, wo sie in geselligem Wetteifer sich üben, Turnen und Freundschaft pflegen können. Einige wichtige Gesichtspunkte möchte ich zum Schluss dabei hervorheben, die, obgleich bekannt, doch nicht oft genug wiederholt werden können. ]. Der Muskel ist während der Arbeit stark blut- und sauerstoffbedürftig. Daher muss im Winter in gut ventilierten Räumen, im Sommer, wenn irgend möglich, im Freien das Turnen stattfinden. Es muss im Freien gebadet und geschwommen und es müssen dazu Ausflüge gemacht werden. Ein zweiter Punkt ist die ausreichende, zweckmässige Ernährung des Körpers durch Speise und Trank. Ein ungenügend Ernährter wird im Turnen nicht nur zurückbleiben, er wird sogar durch die Anstrengung Abmagern und Schaden an seiner Gesundheit erleiden. 3. Eine besondere Berücksichtigung muss den bei uns so häufigen, von Hause aus Nervösen und Schwachen zuteil werden. Bei ihnen müssen die Leistungen fein abgestuft und es muss streng individualisiert werden, wenn man nützen will. Gewisse Turnübungen, bei denen der Kopf stark herumgeschleudert wird, wie die Wellen — Knie-, Kreuz- und Armwellen — möchte ich überhaupt widerraten. Ich weiss von zwei Kindern, welche dabei sich Blutergüsse ins Gehirn zuzogen und wie von einem Schlagfluss halbseitig gelähmt wurden. Wir können uns mit Freiübungen, mit Laufen, Springen, Klettern, mit Schwimmen, Diskuswerfen, Schiessen, mit gymnastischen Spielen und mit Barrenturnen begnügen, um die gewollten Resultate zu erreichen. Diese sind: Kräftige Muskeln und in Rückwirkung auf das Gehirn die Entwicklung der Faktoren, welche zum Durchdringen in der Welt vonnöten sind: Ein fester Wille, ein stetiges, ruhiges Handeln, ein richtiges Gefühl, das nicht durch Überspanntheit und Unruhe das Urteil trübt. Wir haben dann Aussicht, den heutzutage für uns sehr erschwerten Kampf ums Dasein siegreich zu bestehen, weil wir die Kraft uns erworben haben durch eigene Mühen und deshalb den Mut und den Wert in uns selber fühlen. Ein Wort an die „Alten Herren". Wer bereits bei Begründung der Jüdischen Turnbewegung mit in Re'n und Glied gestanden hat, ist sicherlich nunmehr bis zum Familienvater gediehen. Vielfach hat ja gerade die frohe Geselligkeit der Turnfeste zur Errichtung des eigenen Herdes angeregt. Da ist es also an der Zeit, dass wir Familienväter, oder die es werden wollen, uns darüber klar zu werden suchen» wie wir mit unseren Leibessprossen umzugehen haben, um ihnen von vornherein diejenige körperliche Ausbildung zuteil werden zu lassen, die den Prinzipien unserer Bewegung entspricht.

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