Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 3/4 (3.1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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34 No. 3-4 netes und .entwickeltes Organ, nämlich durch das Grosshirn, welches recht eigentlich ein Lernorgan darstellt. Vermöge des in ihm sitzenden einsichtigen Willens steht der Mensch anders da als das Tier, so gross auch sonst die Ähnlichkeiten sein mögen. Es gibt grosse Tiere, wie das Krokodil, der Strauss, mit mächtiger Muskulatur und im Verhältnis dazu unglaublich kleinen Gehirnen. Bei ihnen ist von vornherein das Übergewicht des sozusagen Mechanischen in der Muskelleistung ausgesprochen, insofern, im Gegensatz zum kleinen Gehirn, das Rückenmark, aus dem die Muskelnerven entspringen, dafür eine um so stärkere Entwicklung hat. Was ein Krokodil, ein Strauss zu leisten hat, das bekommen sie von der Natur mit, der Mensch muss es durch sein Gehirn erst erwerben, wie er denn das Gehen und Sprechen erlernen muss und erst erlernen kann, wenn das Gehirn sich in den ersten Lebensjahren ausgebildet hat. Das Gehirn ist aber nicht ein einzelnes Orgati, vielmehr sind in ihm viele Organe enthalten, welche lernen und ausgebildet werden müssen, und zwar möglichst harmonisch, wie die alten Griechen bereits herausgefunden hatten. Gesetzt, es ginge an, unsere jüdische Jugend lediglich zu Muskelmenschen zu machen, so wäre das ein schlimmer Tausch, wenn wir gegen das Gehirn um so viel mehr Rückenmark einwechselten und uns den Straussen und Krokodilen näherten. Dafür hat die Natur indes vorgesorgt, dass wir solche Resultate, die uns nichts nützen würden, auch nicht erzielen können. Wir können nämlich nichts Neues an den Organismen schaffen, wir können durch Übung allein die Organe heben, welche entweder in der Anlage schwach oder durch Nichtiibung verkümmert sind. Im ersteren Fall gelingt das recht schwer, in letzterem nicht selten überraschend schnell. Man hat oft von der Elastizität unserer Rasse gesprochen, die sie trotz aller Leiden und Verfolgungen ausdauern Hess und, sobald ein Hauch der Freiheit in die Ghettos eindrang, wo sie, gebeugt, und mutlos, mit enger Brust und kurzem Atemmit verkümmertem Knochenwuchs und verkümmerten Muskeln dahinvegetierte, sie befähigte, emporzuschnellen und, nach den höchsten Zielen mit den christlichen Mitbürgern strebend, diese auch zu erreichen. Solche anscheinend wunderbare Wiederauferstehung der Generation erklärt sich am einfachsten dadurch, dass durch bessere Ernährung- und Lebensweise es gelungen istdie im Gehirn verborgen aufgespeicherten, latent existierenden Kräfte zu heben und in die richtigen Bahnen zu lenken. Dem aufmerksamen älteren Beobachter ist es sicher aufgefallen, dass oft schon in einer Generation kleineunvorteilhaft gewachsene, selbst förmlich degeneriert aussehende Elte"' prächtige, grosse Söhne und Töchter von besonderer Schönheit erzeugten- Man hat dann zuweilen von einem Rückfall in den Typus der Vorahnen te' spruchen, von einem sog. Atavismus. Allein der Atavismus lässt sich nicht beweisen, da Beschreibungen und Abbildungen der Vorahnen nicht existieren- Wir dürfen mit Wahrscheinlichkeit allenfalls annehmen, dass jene unserer Ahnen, die in Palästina ein arbeitsames Landleben in freier Luft führten, kiäftige und auch wohlgestaltete Menschen gewesen sind. Die mir bekannten Verkörperlichungen derselben als Gefangene auf dem Titusbogen in R0"1' welche nicht wie auf den ägyptischen Denkmälern Semiten im allgemeinej'» sondern unzweifelhaft Juden Jener Epoche darstellen, die ich mir daraufn wiederholt angesehen habe, zeigen bedeutende Gestalten, die merkwürdig*