Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 1/2 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1—2 9 grosse Rolle. Der galizische Jude ist sich seiner immer mehr zurückbleibenden physischen Entwicklung gar nicht bewusst, er denkt über die Mittel der Hebung der physischen Entwicklung nicht nach und sucht auch nicht nach Abhilfe. Er ist nicht imstande, den engen Zusammenhang zwischen Physischer und geistiger Entwicklung einzusehen. Er begreift überhaupt nicht, dass so einfache Mittel, dass das freie Turnen schon, in seinen einfachsten Formen, systematisch behandelt, in hohem Masse die geistige Entwicklung fördert und beeinflusst und deshalb einen moralischen Wert hat. Die Agitation muss diese Umstünde in Betracht ziehen und, von einer genauen Kenntnis der Bevölkerung ausgehend, muss die Agitation trachten, sich allmählich durchzusetzen. Die Agitation kann aber nicht von Einzelnen ausgehen, auch nicht von den einzelnen Vereinen. Ein einheitliches Zusammengehen ist dringend geboten. Es müssen vor allem die Qrundziige und die Voraussetzung einer günstigen Propaganda festgesetzt werden, ehe man an die Ausarbeitung eines Agitationsprogrammes schreiten will. Und da lässt sich nun der Mangel einer Organisation der Vereine im Lande untereinander empfindlich spuren. Die vier Vereine, die im Lande bestehen, verteilen sich über ein grosses Territorium, das in seinen einzelnen Teilen stark differenziert ist. Einzeln können die Vereine nur wenig wirken. In einer Qesamtorganisation könnten sich die einzelnen Vereine durch die Möglichkeit eines engeren Gedankenaustausches ein genaues Bild der Verhältnisse in den einzelnen Gesenden bilden Die Agitationsgrundlage wäre dadurch eine sichere, und es würden manchem Verein Enttäuschungen erspart bleiben, die auf den Mangel 311 Informationen über ein Gebiet, das er sich zufällig zur Agitation erwählt hat, zurückzuführen sind. Das, Bewusstsein der Zusammengehörigkeit zu einer grösseren Körperhaft, deren einzelne Glieder sich näher stehen, unter ähnlichen oder Kleichen Bedingungen existieren, stärkt das Kraftgefühl der einzelnen Vereine. Durch den innigeren Kontakt, in den die Vereine durch eine Landes- °'ganisation treten, wird ein regerer Wettbewerb hervorgerufen, als er in der umfassenderen Gesamt-Turnerschaft denkbar ist. Man bedenke nur, dass die galizischen Vereine bisher wegen ihrer entlegenen Lage an den Turntagen einen unmittelbaren Anteil genommen haben. Auch aus der Vorturnerstunde in Köln haben die galizischen Vereine keinen Nutzen ziehen können. Eine Landesorganisation wäre in der Lage, auf ihre Kosten Delegierte zu grösseren offiziellen und inoffiziellen Verbandsveranstaltungen zu enthü?^n' ^andesorganisation würde somit günstig auf das Veröltnis zwischen dem Verbände und den einzelnen Vereinen im Lande rUckwirken. Schon die Tatsache ihres Bestandes ist geeignet, das Turnen in weiteren Kreisen populär zu machen. Aussenstehende werden sich eher ner Organisation anschliessen, die ihnen nahesteht, als einer solchen, deren amen und Wirken zu kennen und zu beobachten sie nicht in die Lage Kommen. Der Organisation im Lande wird demnach durch die Tatsache der u'eanisation selbst der Weg geebnet.