Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 1/2 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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10 No. 1—2 Durch eine Landesorganisation wird erst die Möglichkeit geschaffen, einheitliche Qrundsäize für den Turnbetrieb festzusetzen. Die einzelnen Vereine im Lande sind durch ihren steten Kontakt mit der Bevölkerung eher in der Lage, den Turnbetrieb dem Charakter der jüdischen Bevölkerung anzupassen, als der grössere Verband, die Turnerschait, der die Kenntnis der besonderen Verhältnisse im Lande abgeht. Nur durch den Landesverband kann der Gesamtverband einen gewissen Einfluss auf weitere Kreise ausüben. Gemeinsame Veranstaltungen des engeren Verbandes — nur an diesen kann sich eine nennenswerte Anzahl von Mitgliedern der einzelnen Vereine beteiligen — können, abgesehen von der Vereinheitlichung des Turnbetriebes, diesen noch vertiefen, ihm neuere Formen geben. Solche Veranstaltungen sind erfahrungsgemäss von der nachhaltigsten Wirkung. Die Aufbringung der finanziellen Mittel für solche gemeinsame Landesveranstaltungen wird durch eine Landesorganisation erleichtert, indem durch die Festsetzung eines prozentualen Anteils der Vereinseinnahmen als Beitrags für Verbandszwecke die besser situierten Vereine den Ausfall an den Beitrügen der minder gut situierten Vereine decken werden, so dass sich die Oesamtausgaben leichter verteilen und aufbringen lassen. Die sprachlichen Verhältnisse begünstigen und erheischen eine engere Landesorganisation. Solange die Frage der einheitlichen Kommandosprache, der hebräischen Sprache, nicht gelöst ist, solange sich die Vereine der Landessprachen bedienen müssen, fühlen sich jene Vereine, die durch die gemeinsame Sprache verbunden sind, als ein enger zusammenhängender Körper, und die Bildung der Organisation hat nur die Bedeutung der Anerkennung des Bestandes einer Zusammengehörigkeit durch die Verleihung der Form derselben und die Annahme eines einheitlichen Programms. Eine Landesorganisation ist dringend geboten, die Entwicklung der Turnidee ist in höchstem Masse von derselben bedingt. Es hängt von der Frage, ob und wann diese Organisation ins Leben treten wird, die Zukunft der Turnbewegung in Galizien ab. Aus der Jüdischen Turnerwelt. Charlottenburg. Jüdischer Turnverein. Unser Verein entwickelt sich gut weiter. Er zählt jetzt 60 Mitglieder; der Turnbesuch beträgt abendlich 40 Mann. Seit kurzer Zeit turnt der V. J. St. von der hiesigen Technischen Hochschule bei uns mit. Am 13. Februar feierte der Verein einen Ball, der einen recht guten Verlauf nahm. Seit jüngster Zeit ist ein zweiter Turnabend, und zwar am Sonnabend, bei uns eingerichtet worden. Wir versprechen uns davon eine weitere Belebung unseres Betriebes. Berlin. Jüdischer Turnverein Bar Kochba. Am 21. Dezember feierte unser Verein das diesjährige Chanukahfest. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn. Die Worte, mit denen er die Bedeutung der Turnidee für das Judentum kennzeichnete, dass wir jüdischen Turner eigentlich in die Speichen des Rades der Geschichte griffen, beweisen, dass diese bekannte Persönlichkeit unserer Sache nicht fernsteht. Den Aussetzungen.