Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 10 (1909)
- Issue
- 1/2 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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8 No. 1—2 den Zweck des Heeres durchaus vollständig umzugestalten und zu erweitern. Eine von grossen Auffassungen erleuchtete zukünftige Politik müsste es verstehen, eine solche Umgestaltung nicht nur im Sinne der Erziehung der jungen Männer für den Krieg, sondern auch in dem ihrer Fortbildung für die Aufgaben des Friedens zu bewirken. Die soldatischen Tugenden allein genügen nicht. Wissen und ebenso berufliches Können dürfte während der Dienstzeit nicht zurückgehen; es besteht die Pflicht, Beides gerade dann zu heben. Und was noch wichtiger und wohl durchführbar ist: Herzenserweckung und ideale Weltanschauung sollten die ihnen gebührende Pflege finden! Voll erfüllt wäre die staatliche Aufgabe indes erst dann, wenn entsprechende Weiterbildung der gesamten weiblichen Jugend den angedeuteten Bildungszwecken des Heeres an die Seite gestellt würde. Die volkswirtschaftlichen Schwierigkeiten eines solchen Gesamtsystems bestehen mehr in der Einbildung, als in der Wirklichkeit. Vielmehr beruht auf Grundlagen dieser Art die Sicherung des sozialen Friedens." G. A. Die Frage einer Landesorganisation in Galizien.*} Von Dr. Josef K a t z - Brody. Mit dem Zunehmen der Agitation für die jüdische Turnidee in Qalizien gewinnt die Frage der Organisation eines gemeinsamen Verbandes aller gali zischen Vereine immer mehr Bedeutung. Es soll mir nicht der Vorwurf gemacht werden, dass ich vielleicht die einheitliche Organisation des Turnverbandes durchbrechen will, indem ich gesonderte Verbünde auf territorialer Grundlage propagiere, denn die Lokalverhältnisse erheischen dringend eine solche Organisation. Die jüdische Bevölkerung Qaliziens lebt in ganz anderen kulturellen, politischen, wirtschaftlichen Verhältnissen als die Juden des Westens. Was der westliche Jude als nützlich, notwendig und deswegen als etwas Selbstverständliches auffasst, das ist dem galizischen Juden noch fremd und unbekannt, unbegreiflich. Die Frage der körperlichen Erziehung spielt im Oedankenkreise des galizischen Juden, abgesehen von einem geringen Teile der Intelligenz, keine *) Wir geben diesen Aufsatz unseres geschätzten Gesinnungsgenossen hier wieder, weil in der Tat die angeschnittene Frage grosse Bedeutung h*1, nehmen jedoch vorerst zu dieser Frage selbst noch keine Stellung. würden es lebhaft begrüssen, wenn Herr Dr. Katz seine Auffassung auch au dem IV. Tumta« zu vertreten Anlass nehmen würde. Die Redaktion.