Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 227 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 227 recht Wurzel fassen konnte, wie die Juden nach der Vertreibung aus Spanien, der Stätte ihrer hohen Blüte, zu einseitiger Beschäftigung gedrängt wurden und ihre dumpfe Abgeschlossenheit zu schwerer körperlicher Schädigung fuhren musste. Den Charakter jener phantastischen nervösen Überreiztheit erkenne man aus dem Erfolg des Auftretens von Sabbatai Zwi usw. Fördernd auf diese absteigende körperliche Entwicklung habe auch das Heiraten im engen Kreise gewirkt. Geistige und politische Emanzipation brachte die S[os^e französische Revolution, aber das veränderte Wirtschaftsleben neue Physische Anstrengungen im erschwerten Lebenskampf. Dazu das Aufreibende der bevorzugten Berufsarten, des Studiums und des Handelsstandes. m Gefolge des augenblicklichen Entwicklungsprozesses des Judentums sei auch der Wunsch nach Regeneration wach geworden. Der Redner sieht die Mittel dazu in der allgemeinen Volkskörperübung im Turnen und organisch mit ihm verbunden, in Sport und Spiel. Erst deren Vereinigung ermöglicht e|ne volle Kraftentwicklung, deren der einzelne wie das Volk zur Überwindung von Gefahren bedürfe. Dazu lehre das Spiel Aufopferung und Selbstlosigkeit. Die ewig verjüngende Kraftquelle sei die Natur. Darum solle die wdische Jugend aus dem vernichtenden Grossstadttreiben, in das die Juden .rcn ihre Berufe gedrängt wurden, und ihrer überanstrengenden, frühzeitigen vielseitigen Erziehung in engere Verbindung mit der Natur gebracht werden. Uas Rationelle an den heutigen, freudig zu begrüssenden Körperübungen durch Turnen, Spiel und Sport seitens der jüdischen Turnerschaft sei nicht zu verkennen. Mit der Aufforderung, beim heutigen Erwachen der Judischen Volksseele auch das Streben nach allseitiger Ausbildung des Körpers "'cht zu vergessen, schloss der Vortrag. Lemberg. Jüdischer Turnverein. Der Verein übersendet uns seinen bricht über das Geschäftsjahr 1907/08. Das Heft umfasst 24 Druckseiten und ist recht geschickt zusammengestellt. Wir empfehlen den Bundesvereinen die Herausgabe gedruckter Berichts, die gerade durch ihren lokalen anstrich der Propaganda gute Dienste leisten, besonders, wenn, wie im vorlegenden Heft, dem eigentlichen Berichte ein werbekräftiger Aufruf vorangeht. Man ermöglicht es dem Mitgliede, sich viel gründlicher mit den inneren unktionen des Vereins bekannt zu machen, als dies nach Anhörung eines undlichen Berichtes der Fall ist. Denn das ist doch das eigentlich Ausschlaggebende für das Gedeihen eines Vereins, dass ein jeder, mag ihn seine pers°h' v!'e *-'gnung in eine leitende Stellung berufen oder nicht, mit der Gecnichte, der Verwaltung und dem Bestände des Vereins so vertraut wird, untf Clgenau weiss> an welcher Stelle er zu wirken hat, wo er einzugreifen de v''6 Cr das '*lm zustenende Stimmrecht in kleinen und grossen Fragen s Vere"islebens zu handhaben hat. Nur dann wird der demokratische Aufu unserer Vereine sich als segensreich erweisen und seine einzelnen Org ne zu tatkräftigem, nutzbringenden Handeln vereinen. mji ^*'e Wiedergabe eines längeren Auszuges aus dem Lemberger Bericht ussen wir uns für die nächste Nummer vorbehalten. q . firaz. Jüdischer Turnverein. Anlässlich des vierten Jahrestages seit nah rvdes Vereins fanri ein Kommers statt, der einen schönen Verlauf p i e verbrüderten Vereine „Z i o n"\ „Vereinigung jüdischer V e r h- " beider Hochschulen" und „Jüdisch-akademische leite h'ndU"g C'1 a r i t as" waren vollzählig erschienen. Nach der einklnn " ^ede des Obr"annes und nachdem das Bundeslied weihevoll vereine " War' ergriff Tbd' candmed- Julius Schwarz das Wort zu tr .r markigen Tendenzrede. In zündenden Werse sprachen noch die Verer der studentischen Korporationen. Nationale Gesänge beschlossen den