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Jüdische Turnzeitung · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 228

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 228 (sequence 22)
Language
German
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228 No. 12 offiziellen Teil des Abends. Nun trat die Gemütlichkeit in ihre Rechte. Die hübschen Violin- und Klaviervorträge der Turnbrüder Papo und Schechta, manch frohes Lied und heiteres Wort hielten uns noch bis in die späte Nachtstunde beisammen. Seit November besteht eine Sängerriege unseres Vereins, deren Zweck hauptsächlich in der Pflege nationaler Lieder besteht; sie steht unter Leitung unseres wackeren Gg\ Herrn Julius Steiner, Lehrer an der hiesigen jüdischen Volksschule. Ferner haben wir in den letzten Tagen eine Ringerabteilung geschaffen. — Der Gerätestand hat wieder eine Vermehrung erfahren. Prossnitz. Jüdischer Turnverein. Zu dem im September d. J. gefeierten zehnsemestrigen Stiftungsfest der jüdisch-akademischen Ferialverbindung „Giskalah" haben wir eine 6 Mann starke Riege gestellt, welche die Kölner Stabübungen*) vorführten. Die Darbietung wurde mit rauschendem Beifall belohnt. Der Turnbesuch der Jungriege hält sich im Herbst auf „mässig gut"; die „Alte-Herren-Riege" hat ihre Tätigkeit wieder aufgenommen und weist eine Beteiligung von 6—8 Mann auf. — Die geschlossene Anmeldung eines grösseren Teiles unserer Mitgliedschaft zu einem hiesigen Eislaufklub bezweckt die Erreichung eines Preisnachlasses des Beitrages, um dadurch den Eislaufsport allen Interessenten unseres Vereins zugänglich zu machen. Wenn das jüdische Vereinslokal in turnerischer Hinsicht einen kräftigeren Aufschwung nicht gebracht hat — der wohl erst in ausgiebigerer Weise von der Publizierung des Programms für das nächste Verbandsschauturnen zu erwarten ist — so erfüllt es die zweite Aufgabe des jüdischen Turnvereins in vollem Masse: die nationale Erziehung unserer Mitgliedschaft. Jüdische Zeitungen unterrichten über den Stand der Bewegung und geben oft Veranlassung zu reger Debatte. Dieser Oedankenaustausch fördert nicht nur die Geselligkeit und den engeren Zusammenschluss, sondern vor allem die Gesinnungsfestigkeit aller. Eine Anzahl von Vorträgen, die regelmässig, in Zwischenräumen von zwei Wochen, abgehalten werden und verschiedene Gebiete der Vergangenheit des jüdischen Volkes und dessen gegenwärtige Lebensverhältnisse zurn Gegenstande haben, ziehen stets auch eine ansehnliche Zahl von Juden an> die, mit dem Bewusstsein der Verkehrtheit ihrer veralteten Politik, die Gelegenheit nützen, die Renaissancebewegung der Juden von authentischer Seite sich darlegen zu lassen. Das rasche Aufblühen des Vereinslokales und dessen wachsende Popularität in der hiesigen jüdischen Bevölkerung brachte nun die verbohrten Assimilanten in unerhörten Aufruhr; die sich mit Oe" walt ihnen aufdrängende Erkenntnis, dass wir mit der Gründung unseres Lokales einen festen Stützpunkt uns gewannen, von dem aus unsere Bewegung unaufhaltsam, und Bresche auf Bresche in ihre Reihen legend, fortschreiten wird, liess sie zum ärgsten Kampfesmittel greifen: sie verleumdeten nicht nur in einem Zeitungsartikel unsere Agitationsarbeit, sondern brachten *) Die Stabwlndegleitubungen, welche eine Riege Kolner Ta,neL legentlich untern III. Turataget in Wien unter Leitung ihres verdienten wartet Heinrich Meyer vorfahrte, haben lieh teltdem in einer ganzen " ^* von Verbandtvereinen bewahrt. Sie seien auch für den kommenden Winter _ geeignete Programmnummer für untere Fette empfohlen. Das Septemberben vorigen Jahrganges, in dem wir die Uebungen veröffentlichten, Ut noch In a Exemplaren vorrätig. Wir weisen auch anf die im vorigen Heft abgedruckte» *•* Übungen ohne Belastung hin. (D. Ret-)

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