Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 226 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965115-5965284--2330-4925155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
226 No. 12 aktive Mitglieder (regelmässige Turnbesucher 30 Mitglieder) aus einem Milieu des Berliner Westens, das bis vor kurzem sich noch keiner jüdischen Vereinigung irgendwelcher Art angeschlossen hätte. Hierbei mag allerdings auch die überaus günstige Lage unserer Turnhalle in der Joachimsthalerstrasse 31/32 gewisse Anziehungskraft ausüben Immerhin verdient die Beachtung, die der Charlottenburger jüdische Turnverein auch in diesen Kreisen findet, als ein erfreuliches Zeichen der Zeit registriert zu werden. In gleichem Masse deuten die Zusammenkünfte unserer Mitglieder an den Abenden nach dem Turnen, welche im Restaurant Tivoli, Fasanenstr. 32, stattfinden, und die üblichen (diesmal unter Leitung des Herrn J. Wölfl* am Busstag nach Potsdam unternommenen) Ausflüge auf ihr Interesse genügend hin. Die nächste Turnfahrt findet am Sonntag, den 3. Januar, statt. Treffpunkt 8V4 Uhr, Bahnhof Zoolog. Garten. Näheres wird auf unserem Turnboden bekanntgegeben. Strassburg. Jüdischer Turnverein. Der letzte Bericht sollte ein Bild von der Vereinstätigkeit im Sommer geben. Nachzutragen ist noch ei" grösserer Ausflug in den Schwarzwald, nach dem Mummelsee, Ruhstein. Die Teilnehmerzahl war nur gering, obwohl die Wanderung eine sehr schöne zu nennen war. Auch die Turnspiele vermochten in der letzten Zeit keine Zugkraft auszuüben. Es ist wohl auch für den Winter bei der Lage Strassburgs, und besonders wegen der Gewohnheiten unserer Mitglieder, kaum möglich, Spaziergänge zu unternehmen. Wir hoffen jedoch, diesmal im Frühjahr bereits mit Wanderungen beginnen zu können. Auf anderen Gebieten ist das Vereinsleben recht erfreulich. Es wird die ganze Zeit hindurch fleissig geturnt. Hauptursache mag bei den meisten die Nähe des Stiftungsfestes sein. Es ist immerhin angenehm, manchmal konstatieren zu können, dass die Turnhalle zu klein ist. — Soeben sind wir beschäftigt, zur Anlage eines Reserve- und Gerätefonds, zur 'Anschaffung einer Leiter sowie Anlegung einer kleinen Bibliothek eine Summe von 400 Mark zu sammeln. Wir haben bereits einen beträchtlichen Teil davon zusammen und mit Unterstützung der „Turnzeitung" eine kleine Bibliothek von Turnliteratur sowie modern-jüdischer Bücher angelegt. Deren Ausbau wird hoffentlich das Interesse unserer bemittelten Mitglieder ermöglichen. Seit Beginn des Herbstes haben wir eine gute Einrichtung getroffen. Jeden Sonnabend abend treffen sich die Mitglieder des Vereins zu gemütlichem Beisammensein. Oft findet zu Beginn ein Vortrag statt, oder es werden Vereinsangelegenheiten besprochen. Danach findet eine fröhliche Kneipe statt, wo die Lieder aus „Jung Juda" die Stimmung heben. Auch an Bierulken fehlt es nicht, und es wird nicht danach gefragt, auf wessen Kosten die Belustigung geht. Bis jetzt erscheinen immer nur ca. 20 Turner; wir erwarten aber eine Steigerung der Teilnehmerzahl. An Personenveränderungen sind zu verzeichnen: Strauss, 2. Vorsitzender, M. Bloch, 2. Turnwart, und Kauffmann, 2. Schriftführer, haben demissioniert. Zum Ersatz sind vom Vorstand kooptiert worden: Mayer, 1. Turnwart, zum 2. Vorsitzenden; Bornstein (vom J. T. V. Freiburg, der den Weg zu uns gefunden hat) zum I. Turnwart; J. Weil", bisher 1. Schriftführer, zum 2. Turnwart; E. Weill zum 1. Schriftführer und L. Lony, Kuhngasse 22»» zum 2. Schriftführer. Zurzeit nehmen die Vorbereitungen zum 2. Stiftungsfest viel Arbeit in Anspruch. . Dr. Heimendinger sprach jüngst über „Degeneration un Regeneration des Judentums". Er zeigte, wie die ursprüngnc» kriegsstarke jüdische Rasse durch den häufigen Wechsel des Bodens nirgend»