Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 223 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 223 Qass dem Land, dem jahrhundertelang die Segnungen der Kultur ferngeblieben sind, die alte sprichwörtliche Fruchtbarkeit durch den Fleiss des Bauern wiedergewonnen werden kann. An das alte historische Palästina aber schliessen sich weitere fruchtbare dünn bevölkerte Länderstrecken von ungeheurer Ausdehnung an, die allmählich der Kultur erschlossen werden sollen und mehr als genügend Raum unserer hilfsbedürftigen Brüder bieten. Uie türkische Regierung, die über diese Länder herrscht, hat sich von jeher a's iudenfreundlich erwiesen; nie hat es in der Türkei Judenverfolgungen gegeben, selbst nicht im finstersten Mittelalter, als alle westeuropäischen Staaten ihre grossen Judenabschlachtungen hatten. Wie einst den vertriebenen spanischen Juden, so ist sie auch heute den verfolgten russischen puden e'n rettendes Asyl. Unter den neuen Verhältnissen, wie sie durch die Entführung der Verfassung geschaffen worden sind, werden auch Justiz und Verwaltung gründlich reformiert werden, und es ist für uns auch von grosser edeutung, dass die Juden der türkischen Regierung als Kolonisten, die das Menschenleere Land erfüllen und aus seinem Schlafe erwecken sollen, aus naheliegenden Gründen willkommener sind, als Angehörige irgend eines anderen Volkes oder einer anderen Rasse. Auch die Liebe, mit der gerade , eF östliche Jude an Palästina^ dem Lande der grossen jüdischen Vergangen- .eit» hängt, verbürgt uns einen sicherern Erfolg, als ihn die Kolonisation in "Send einem wildfremden Lande erhoffen lässt. Diese Liebe zur Scholle asst ihn die Schwierigkeiten, mit denen er in den ersten Jahren seines auernlebens zu kämpfen hat, leichter ertragen und überwinden, sie verändert a"zu rasche Enttäuschung und Entmutigung. Freilich sind heute diese cnwierigkeiten nicht mehr von jener schier unüberwindlichen Grösse, wie ,le sicn den wackeren Pionieren vor zwei Jahrzehnten geboten hatten: heute ntt der Neuling bereits in einen Kreis von Tausenden bodenständiger jüdi- , .er Bauern ein, er fühlt sich hier in der „Fremde" vom ersten Tage an eimisch, er lebt im Lande der Ahnen unter frohen und glücklichen Glaubens- 'lcl Stammesbrüdern in jüdischer Sitte und Gesinnung ein freies, arbeitso-l"C7.es Leben, ohne — wie im Auslande — zu dem nur allzu oft miss- ^i'ckenden Versuche gezwungen zu sein, sich einer neuen, gänzlich fremden mgebung anzupassen. Auch macht er sich die Erfahrungen der älteren oiiegen zunutze. Und so soll sich denn Baustein zu Baustein fügen, bis hh 'm ^rient das schützende Asyl für die Bedrängten unseres Volkes eren w ird. In immer grösserem Stile muss die Auswanderung nach dem iient organisiert werden, immer neue Unternehmungen landwirtschaftlicher industrieller Natur müssen begründet werden, die die wirtschaftliche i/att Jes Landes erhöhen und für neue zahlreiche Juden Arbeitsmöglich- Ke't schaffen sollen. dass yUCr d6n Ges'cntsPunkt schliesslich haben wir zu berücksichtigen. Mi» r ■ e überfahrt nach Palästina nur ein Viertel der Summe kostet, wie Ule Lbenahrt nach Amerika. das y-01" 'oren des russischen und rumänischen Reiches dehnt sich l>ere^"'SSe ^and c*er Jüdischen Erinnerungen, das Land, dessen Regierung LautT \&t' arheitswil,'ffe Elemente, vor allem Juden, aufzunehmen, und das telli darauf zu warten scheint, zu seiner aiten Fruchtbarkeit von den in- Un„5e"ufn ^onnen des alten Volkes wiedererwecken zu lassen. Wozu da vers h Mi,lionen fiir die Uberfahrt nach den (iberozeanischen Ghetti uen ,.Ny^nden? Hier gilt es zu handeln, rasch zu handeln, denn gerade in Enhv'^u Ste" ■,ahren wird sich eine so rapide wirtschaftliche und kulturelle zuvo'i K d6S 0rients vollziehen, dass uns sehr bald das werbende Kapital "rkonimen wird, wenn wir nicht entschlossen zugreifen.