Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 222 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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222 No. 12 Jeden Sonnabend nachmittag unternimmt die Männer- und Zöglingsabteilung einen gemeinsamen Ausflug. Auch weitere Touren werden regelmässig unternommen und draussen während der Rast Ringkämpfe vorgeführt. Die Frage des Anschlusses an die Turnerschaft wird in Kürze besprochen werden. Meine Arbeiten am Hebräischen Lehrbuch und dem Leitfaden der Kommandosprache machen gute Fortschritte. Mit jüdischem Turnergruss Ihr Zwy Orloff. Die Kolonisation Palästinas. Von Dr. Aron Sandler, Breslau. Kaum drei Jahrzehnte sind verflossen, seit man unter dem Eindruck der furchtbaren Krisen, die über die schwergeprüften Juden des Ostens hereinbrachen, den Gedanken einer jüdischen Kolonisation, einer Verpflanzung der unglücklichen Massen auf einen gesunden, glücklicheren Boden in die Tat umzusetzen begann. Heute hat fast alle Welt erkannt, dass es nicht genügt, bei hereinbrechenden Katastrophen Almosen in die östlichen Länder zu schicken, mit denen man kaum dem augenblicklichen Elend abhelfen, vor allem aber eine Wiederkehr der Katastrophe, eine Steigerung der unheilvollen Situation nicht verhüten kann. Heute gilt die Losung: Heraus aus dem Sumpf. Mehr als hunderttausend verlassen alljährlich ihre östliche Heimat, um einem ungewissen Schicksal in den freien Ländern des Westens entgegenzuziehen. Sic bereiten ihrem Elend eine neue Stätte, sie errichten jenseits des Ozeans neue Qhetti, in denen sie zwar ihres Lebens sicher sind, ohne aber ihre elende ökonomische Lage verbessern zu können. Sie verdorren in den Schwitzhöhlen Amerikas ebenso wie in den Qhettostädten des russischen Ansiedlungsrayons. Ja, sie schleppen mit ihrem Elend den Antisemitismus in die freien Länder ein, und so ist der Tag, an dem diese Massenwanderung ein Ende nehmen wird, nahe: haben doch England und die Vereinigten Staaten bereits eine bedeutende Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen eingeführt. Bis dahin aber gehen alljährlich Millionensummen an Transportkosten — für die Hinfahrt der Hoffenden und oft genug für die Rückfahrt der Enttauschten — verloren, ohne zur Linderung der Not oder gar zu ihrer Ausrottung beigetragen zu haben. Es gibt einen besseren, rationelleren Weg, der zu dauerndem Erfolge führt: das ist die Kolonisation. Man versuchte — vor allem in Palästina und Argentinien — östliche Juden als Bauern anzusiedeln, und so ihre Lage nicht für den Augenblick, sondern für alle Zeiten zu einer glücklichen und normalen zu gestalten. Der Anfang des Werkes war schwer; heute aber blicken wir auf ein ermutigendes Resultat zurück. So finden wir in Palästina 24 jüdische Dörfer, die zum grössten Teile gut gedeihen, deren einige sogar zu ansehnlichem Wohlstand gelangt sind. Und so richten sich heute die Augen der Jugend, die eine Befreiung der östlichen Brüder aus ihrer unhaltbaren Lage herbeisehnen, nach dem Orient. Hier dehnen sich weite, dünn bevölkerte Länderstrecken, die der fleissigen Hand des Bebauers harren. Hatte man die verwahrlosten Oefilde früher für unfruchtbar gehalten, so hat die Erfahrung nun längst gelehrt,