Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 219 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4921092-5965115-5965284--2323-4925148- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 12 Es ist nicht Sport, unschöne, gefahrlose Stellungen einzunehmen oder Passioniert irgendeinen hübschen Zeitvertreib zu favorisieren. Es ist nicht Sport, wenn jemand Pferde oder Hunde züchtet — ebenso wenig wie es Sport ist, Automobile zu bauen. Der Sport beginnt erst auf dem Pferderücken, auf der Jagd oder am Steuerrad des Wagens. Wenn ich nach dem Tee eine Partie Tennis spiele, und sie mag noch so scharf sein, habe ich nicht das Gefühl, Sportsmann zu sein, und beim Fussballspiel schrumpft mein liebes Ich zum Teil einer Maschine zusammen. Sport im besten Sinne sind diese Freiluftspiele auch nicht. Sie sind an bestimmte Regeln und an die Teilnahme anderer gebunden. Aber sie können ein sportliches Hauptmoment — Entfaltung der Qewandheit und der Kraft — so stark in sich haben, dass man ihnen das sportliche Wesen nicht ganz abstreiten darf. Jäger, Reiter, Skilüurer, Autler, Segler, Hochtouristen werden sie nicht für vollwertig halten. Man sollte sie „S p i e 1 s p o r t e" nennen als Unterschied gegen die „Fortbewegungssporte", deren wichtigste Kennzeichen Individualität und Naturireude sind. — Zwischenstufen sind das Rudern, das Schlittschuhlaufen, aas Rodeln. Das Turnen ist nur eine systematische Vorstufe, und der Zweikampf nimmt eine reine Sonderstellung ein. Beim wahren Sportsmann entspringt die Ausübung des Sports nicht gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Überlegungen, sondern aus der Freude an seinen physischen Fähigkeiten, die er einmal — vielleicht ganz zufällig — erprobt hat und immer wieder stählen will. Sport muss bedingungslos sein, Platonisch. Sport ist der „Kampf ums Dasein aus L i e b h a b e r e i". Wir tragen noch eine grosse Menge physischer und hatbphysischer Kräfte in uns. die der Städter im täglichen Leben unnütz, schädlich und lästig verkümmern liisst. Und ich glaube, die Hygiene des Sports besteht weniger in ^in körperlicher Kraft — die Athletik ist nicht das Ideal des Sports und nicht der Hygiene —, sondern im Gebrauche dieser intuitiven, halbbewussten ■vräfte, die wir noch vorn tierischen Kampfe ums Dasein in uns haben. Hier 'fenke ich an Orientierungssinn, Gehör, Gesicht, an die Möglichkeiten, das Gleichgewicht zu bewahren, die Schnelligkeit zu vergrössern und zu berechnen, zu klettern, zu springen, zu schleichen, die Witterung zu ahnen usw. le Sehnsucht, uns in die grosse Natur einzufühlen, mit ihr zu leben, und ^eine und grosse Siege über sie zu erringen, zieht uns zum Sport, die reude am Kampf und Sieg unseres Körpers. Aus diesem Bedürfnis ist es ich. zu erklären, dass der Städter dem Landbewohner in allen Sportarten überlegen ist. Der Landbewohner zersplittert seine Kräfte im '»Euchen Leben. Er gebraucht sie noch ständig und versteht darum meist St''i"ICht Was den städter oder Halbstädter eigentlich zum Sport treibt. Des ters überlegene Initiative konzentriert diese Kräfte freiwillig auf beimrnte Ziele, unter der Wärme seiner Naturfreude, die aus dem Gegensatz me^H2*' Aucn die versteht der Landmann selten, seine Naturfreude ist die % eimatsliebe- Dass die besten Sportsleute Städter sind, können auch be ,.'Tiege. der Telemarkburschen und später der Trysilburschen bei vielen Sün t,nite'n .r*0'menkol'eilrennen nicnt angreifen. Die Schneeverhältnisse beündd t6T in.mren Siegesiahren ihr Training noch mehr als gewöhnlich — Skie rysilingen war auch durch ihre für die harte Rennrinne vorzüglichen sint/i v* au* den ^eK geholfen. Die besten und gewandtesten Skiläufer seh h ^ristianenser und Trondhjemer. Bei den Skiläuferinnen ist der Unteristd gh"Z auffallend- Ein Beispiel für die Überlegenheit des Städters <w ai "kannte Missverhältnis zwischen dem tüchtigen Hochtouristen und qem Berufsbergführer. Leids u nönere Sport ist eine Leidenschaft und muss wie jede wahre uenschait gefährlich sein. Die Gefahr gibt, und das ist leicht aus