Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 218

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 218 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4921092-5965115-5965284--2322-4925147
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

218 No. 12 Und doch nennen wir das Heldengeschlecht nicht nach dem Erzieher des Volkes und der Heldensöhne, sondern nach dem Kämpfer, der durch sein Dreinschlagen das zur Ausführung brachte, was sein Vater als heilige Familienüberlieferung gepflegt hatte. Denn die gewaltigen und einzigartigen Heldentaten des "03ö*) Makkabäers überstrahlen so sehr selbst die Glanzgestalt des greisen Vaters, dass das dankbare Volk niemals aufgehört hat, den grössten Mut und die heldenhafteste Aufopferung für Volk und Freiheit mit seinem Namen zu benennen. Das Volk hat es empfunden, dass das Werk des Vaters durch den Sohn gekrönt und vollendet wurde, ohne dass der herrlichen Verdienste auch nur eines einzigen seiner Heldenbrüder darüber vergessen werden soll. Scheinbar gegen die Gymnastik richtete sich der erste Widerstand des makkabäischen Heldengeschlechts. Aber nur deshalb, weil in ihr damals der Verzicht auf das eigene Wesen am meisten zum Ausdruck kam. Ihre Heldentaten haben am besten bewiesen, dass ihre Körper in allen gymnastischen Künsten geübt und für ernste Kämpfe gestählt waren. Nicht die Gymnastik war es, der sie entgegentraten, sondern die stammfremde Gymnastik, die der Vorwand war, dem eigenen Wesen sich zu entfremden und sich der längst zum inhaltslosen Spiel gewordenen stammfremden Turnsitte anzuschliessen. Auch heute noch sind die Makkabäer und die Kämpfer um Jerusalem und vor allem der spätgeborene Nachfahr des Heldenstammes, der Sternensohn, unsere leuchtenden Vorbilder, denen in jüdischer Kraft nachzueifern unsere hohe Aufgabe in der jüdischen Turnbewegung ist. Was ist Sport? Die Spielsporte: Fussball, Tennis Cricket usw. haben uns dazu verleitet, alle möglichen Zeitvertreibe mit Sport zu bezeichnen. „Ballsport nennt man es, wenn zwei Leute Ballschlagen. „Hundesport'", wenn jemand Hunde züchtet, „Knödel$port", wenn zwei Bayern wettessen, und die kleinen Mädchen werden bald nicht mehr Papa und Mama spielen, sondern „Puppe"* spjrt" treiben. Ein Familienblatt schreibt gar unter eine Zeichnung, auf der man einige sehr wenig sportliche Menschenkinder unschön auf dem Magen liegen sieht, um Eier über das Eis wettzublasen: „Wintersport in der Schweiz*'. Diese Neigung, allem und jedem mit dem Namen Sport zu schmeicheln, fordert aut, den Begriff des Sports fester zu umgrenzen. * »aas bedeutet den Auslöscher, den Vertilger der Feinde, wie Gideon jiyii den Abhacker (in der Schlacht).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.