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Jüdische Turnzeitung · 1908-12-01 · 12 (12.1908) · p. Seite 216

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
12 (12.1908)
Date
1908-12-01
Page
Seite 216 (sequence 10)
Language
German
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216 No. 12 jüdischen Umgebung begann. Schliesslich gab es noch eine Gruppe, die eine äussere Anpassung an das Hellenentum mit ihrer sonst konservativen Beobachtung des Gesetzes für vereinbar beachtete. Man darf dabei nicht vergessen, dass die Mehrzahl der Juden damals die gleichzeitige Beobachtung jüdischer Gesetze und des Zeuskultus für keinen grösseren inneren Widerspruch ansah, als die Mehrzahl unserer Mitbrüder in Deutschland heute in dem gleichen Feiern des Jom-Kippur und der Ausputzung eines Christbaums sieht. Dass dies zugleich auf das Christentum wie auf den Judaismus ein unbeabsichtigter Hohn und Spott ist, fällt ja auch heute den allerwenigsten ein. So aber waren die Zeit und ihre Verhältnisse, in denen Mattitjahu seine erziehliche Tätigkeit begann. Man würde sich täuschen, wenn man glauben wollte, dass Mattitjahu erst an jenem denkwürdigen Tage seinen nationalen Freiheitskampf begann, wo er in Modim offen die Fahne des Aufstandes entrollte. Vielmehr hat er in langjähriger erziehlicher Tätigkeit teils in Jerusalem selbst, vor allem aber bei dem geringeren Mittelstande in den kleinen Landstädten sein langes Leben dazu ausgenutzt, immer und immer wieder auf die Ideale Israels hinzuweisen. Mit feinem Takt und grossem historisch-politischen Verständnis hat dieser einzigartige Mann erkannt, dass nur der Hinblick auf die grosse Vergangenheit seines Volkes diesem auch das Verständnis für seine Aufgabe in der Zukunft offenbaren könnte. Und wie er in seiner letzten Rede an seine Söhne, in seinem politischen Testament, sagt: „Gedenket der Taten unserer Väter, die sie vollbracht in ihren Geschlechtern, so werdet ihr grossen Ruhm und ewigen Namen erlangen", so hat er von Anfang seiner Tätigkeit an den nationalen Aufschwung durch den Hinweis auf die jüdische Geschichte vorbereitet und angebahnt. Es war ein schweres Werk diesem Volke, das erst erzogen werden musste, den Begriff wahrer Freiheit beizubringen. War doch ein Jahrhundert voraufgegangen, in dem sich der einzige Gegensatz gegen die hellenistische Assimilation in dem einseitigen Betonen religiöser Formen offenbarte. In dieser schweren Zeit, wo der Feind von aussen weniger gefahrdrohend für den Bestand der jüdischen Nation war als der schleichende Feind im Innern, wo die Priester, welche der Hort nationalen jüdischen Geistes hätten sein sollen, unter dem schönen Namen von Reformern des alten Judentums den festen Halt desselben zu zerstören trachteten, war es ein einzigartiges Unternehme»!

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