Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 210 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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210 No. 12 Achtung abgenötigt, die jeder Mensch und jede Gemeinschaft für ihr ehrliches, hartes Wirken und Schaffen verlangen muss. So hat das wahrhaft jüdische Entgegenkommen, das uns in Köln Grossgemeinde und Repräsentanz zu unserer diesjährigen Vorturnerstunde so aufrichtig und herzlich bewiesen, unsere Zuversicht gestärkt; denn es ist ein deutliches Zeugnis dafür, dass die offiziellen Vertretungen der Judenheit angefangen haben, uns ohne Vorurteil zu betrachten und nach unseren Leistungen abzuschätzen. Wir sind stets nur mit halber Freude in den Kampf mit unseren jüdischen Gegnern eingetreten: Soviel des Unechten und feig Zurückgehaltenen sich hinter ihrer despotischen Maske auch verbarg, soviel persönlich geschäftliche und gesellschaftliche Motive, oft wohl unbewusst, in ihre Handlungen mit unterliefen, so konnte es uns doch nicht entgehen, wie mitunter auch treu sorgende, aber schlecht beratene Liebe und missverstehender Eifer den zu unserem Gegner machte, der nach Wesens- und Wirkensart naturgemäss an unsere Seite gehört hätte. Die Strassburger Gewerbeschule geniesst weit über die engeren Landesgrenzen hinaus den Ruf einer segensreich wirkenden Anstalt, in der seit Jahrzehnten die elsässischen Juden ähnliche erzieherische Ziele zu verwirklichen streben, wie auch wir sie zur Gesundung unseres Volkslebens für erspriesslich halten. Merken die Herren vom derzeitigen Verwaltungsrat nicht, dass sie den alten Ruf ihrer Anstalt freventlich aufs Spiel setzen, wenn sie unserem Strassburger Bundesverein das Leben schwer machen? Ist die ganze Entwicklung des letzten Jahrzehntes denn spurlos an ihnen vorübergegangen? Wer sich zum Verwalter jüdischer Allgemeininteressen erwählen lässt, wie sie das von der elsässischen Judenheit unterhaltene Institut der Gewerbeschule vertritt, der hat damit die heilige Pflicht übernommen, den Fragen, die eben diese Judenheit bewegen, seine ernste Aufmerksamkeit zu schenken, genau so, wie er ja auch seinen Privatinteressen seine Aufmerksamkeit widmet. Die Zeit steht nicht still, und wenn Herr X.Y. nicht ständig auf dem Posten ist und sich über die Ereignisse seines Berufslebens, sei es als Kaufmann, sei es als Gelehrter, nicht täglich unterrichtet hält, dann nimmt sein Geschäft und sein Ansehen unversehens den Krebsgang.