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Jüdische Turnzeitung · 1908-10-01 · 10 (10.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
10 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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198 No. 10/11 seines Arbeitsfeldes immerhin noch grosse Sparsamkeit beweist. Die Bundesregierung, die es versteht, diese Turnvereine als Ergänzung der militärischen Ausbildung der Schweizer zu benutzen, subventioniert ihrerseits die Ausbildung der Vorturner, Oberturner und Turnlehrer mit etwa 36 000 frs. jährlich, und eine bedeutende Erhöhung dieses Betrages wird jetzt angestrebt. So wurden im letzten Jahre in vier Städten ca. 2000 Vorturner und 120 Turnlehrer ausgebildet. Die Folge davon ist, dass sogar jedes kleinste Dorf seinen eigenen Turnverein hat. Ganz besonderen Wert legt man auf volkstümliches Turnen. Schwingen (Ringen), Steinstossen, Springen und auch Jodeln und Alphorntlasen sind wohl die wesentlichsten Gebiete desselben. Dem Ausspruch des grossen Feldherrn Napoleon I. folgend, der einmal sagte: „Die Tüchtigkeit einer Armee liegt in ihren Beinen", gehören grosse Turnermärsche mit zu den obligatorischen, regelmässigen Übungen. Allerdings bieten die unvergleichlich schönen Landschaften hierzulande immer neue lohnende Ziele. Einen Glanzpunkt auf diesem Gebiete bildete die überaus schwierige Besteigung des Wetterhorns (3708 m hoch) seitens des Turnvereins Meiringen etwa vor einem Jahre. Aber auch sonst ist ein „fahrender" Turnverein mit wehenden Fahnen und den Trommelschlägen seiner Tambours folgend, eine allsonntägliche Erscheinung. Ebenso stark forciert wird die Veranstaltung von Turnfesten. Es gibt im Sommer fast keinen Sonntag, an dem nicht irgendwo ein Turnverein einen festlichen Anlass hat, bei welchen die Turnübungen immer den grössten Raum einnehmen, und die erstklassigen Turner der gesamten Gegend benutzen diese Gelegenheiten, um ihre Kräfte gegenseitig zu messen. Besonders erwähnenswert ist noch das allgemeine Interesse und die Unterstützung, die den Turnvereinen entgegengebracht wird. Ein spezielles Verdienst hierin hat sich die Lehrerschaft, besonders in kleineren Plätzen erworben, die ohne eigenen Schützen-, Gesang- und Turnverein kaum noch denkbar sind. Diese intensive und allgemeine turnerische Arbeit hat es zustande gebracht, dass die Schweizer Turner mit zu den erstklassigsten der Welt Ue' hören und bei jedem deutschen, französischen oder italienischen grossen Turnfest erwerben die Schweizer Gäste sich die höchsten Ehrungen. Aber auch sonst dringt der Eriolg Schweizer Turnerei weit über die engen Grenze" der Heimat, zählen doch die Schweiz-Amerikaner allein 12 Sektionen mit mehr als 1000 Turnern. Neben den „eidgenössischen" fehlen natürlich die unter besonderen Fahnen stehenden Turnvereine auch hier nicht, da gibt es politische, fremdnationale, konfessionelle Organisationen in Fülle, denen die akademischen und sonstigen Turnabteilungen anzureihen sind. Diese Art von Turnvereinen hat — last not least — in letzter Zeit einen neuen Zuwachs zu verzeichnen, durch die Gründung des „Jüdischen Turnvereins Zürich", der. wenn man von einigen totgeborenen Versuchen absieht, der erste seiner Art auf schweizer Boden ist. Es ist interessant und durchaus kein R""1?1 für die hiesigen Juden, dass es zehn Jahre dauern musste, seit Prof. Mandelstanmi den Vertretern des jüdischen Volkes in Basel in so beredten Worten den damals völlig neuen Gedanken von jüdischen Turnvereinen ans Herz legte, bis jetzt endlich dem Samenkorn eine Frucht entspross. Dafür dürfte sich der neue Verein um so kräftiger entfalten und entwickeln. Wenn e? auch sonst nicht angebracht ist, einem erst einig; Wochen alten Kinde scn0_ die Zukunft zu prophezeien, so lässt doch der echt turnerische Oeist 'nncr' halb dieses jüngsten jüdischen Turnvereins die besten Hoffnungen für sein Zukunft zu.

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