Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1908-10-01 · 10 (10.1908) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
10 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4921092-5965115-5965283--2294-4925119
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 10/11 195 Menschen zu eigen ist. Sowie wir uns bemühen, unser ganzes Sein von dem Bewusstsein, ein Jude zu sein, durchstrahlen zu lassen, muss seslbstveiständlich auch unser turnerisches Arbeiten auf diesen Brennpunkt eingestellt sein. Unsere Vorturner müssen sich durchaus bewusst sein, dass sie dieser grösseren Aufgabe zu dienen haben, und nicht etwa lediglich dazu da sind, aus den Mitgliedern eines Vereines gute Turner zu machen. Diese Thesen vorausgestellt, fragt es sich, welcher besonderen Art die Tätigkeit unserer Vorturner sein muss, wenn sie der oben geschilderten Aufgabe gerecht werden sollen. Dazu ist zunächst erforderlich, dass jeder Vorturner das Bewusstsein seiner Aufgabe und den Willen hat, ihr in vollem Urnfange nachzukommen. Die turnerische Qualität allein darf bei uns so- 'ange die Berechtigung zur Qbernahme des Vorturneramtes nicht geben, bis es selbstverständlich ist, dass der Turners sich seines nationalen Wertes und seiner nationalen Aufgabe bewusst ist. Wir wissen sehr wohl, dass dies heute bei weitem noch nicht überall der Fall ist. Weite Kreise des Judentums sind bestrebt, ihren Zusammenhang mit dem jüdischen Volke zu verwischen oder Wenigstens vergessen zu machen. Wenn sich auch in der letzten Zeit vielleicht, nicht zum wenigsten durch unsere Tätigkeit, ein Umschwung zum Berseren bemerkbar macht, so wissen wir doch am besten, wieviel auf diesem Gebiete noch zu tun ist, wie sehr gerade die jüdische Jugend noch gel,e'gt ist, ihr Vätereibe aufzugeben und sich fremden .Idealen zuzuwenden, die für sie nicht geschaffen und nicht erreichbar sind, und deren Nachbetung d'e Juden lediglich in eine haltlose Lage bringen, und die allein im Grunde das Kanze Elend der Judenfrage verursacht. Von unseren Vorturnern müssen vvir verlangen, dass sie im Stolze auf ihr Judentum und in ihrem Willen, dafür anzutreten, vorbildlich sind. . Das Bewusstsein der nationalen Aufgabe des Vorturners muss ihn natürlich dazu bringen, auch die speziellen Fragen des Turnens unter den jüdischen Qesichtswinkeln zu betrachten. Und damit würde man an die Lösung einer Frage gehen, die bisher bei uns kaum diskutiert wurde und deren Entscheidung von eminentem Interesse für die turnerische Leistungsfähigkeit unserer Vereine ist. Es handelt sich um die Frage: Verlangt die k°rperliche und seelische Beschaffenheit des Juden ein Turnen, das auf spezieiein Grundlagen aufgebaut ist, die dieser Eigenart entsprechen? "eoretisch kann es keinem Zweifel unterliegen, dass diese Frage bejaht werden muss. Soll das Turnen Erfolg haben, so muss es selbstverständlich j!"f die Anlagen der Turnenden zugeschnitten sein. Dies ist ja auch sonst 'oerall der Fall. Das, was wir „deutsches Turnen" nennen, ist ja eine Art es Turnens, die ihre Pflege hauptsächlich unter den Deutschen findet. Das urnen anderer Völker ist in der oder jener Hinsicht anders gestaltet, und s Wiire selbstverständlich sehr leichtfertig, anzunehmen, dass derartige Verr^ledenheiten etwa bloss auf irgend welchen theoretischen Spielereien belle t"' ^enn das Tumen der alten Griechen so ganz anders war, als das p U'iee der Deutschen, wenn der Leibessport in England nach ganz anderen rinzipien geübt wird, als etwa in Schweden, und wenn das Turnsn in Italien rt 'Rieden ist von dem in Polen, so dürfen wir wohl sagen, dass die Art * Iurnens bei jedem Volke seiner natürlichen Anlage entspricht oder doch lei "J'Kstens entsprechen muss, wenn es den Gliedern des Volkes Dienste! sten soll. Wir in der jüdischen Turnerschaft haben aus leicht verständnon Gründen kritiklos das deutsche Turnen übernommen. Ich werfe die SDriLaU': "st <Jiese Art d^s Turnens die der jüdischen Veranlagung entsie^ '!> Icn werfe lediglich die Frage auf, ich will sie nicht entscheiden, kann auch heute hier nicht entschieden werden. Aber mir scheint, es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.