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Jüdische Turnzeitung · 1908-10-01 · 10 (10.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
10 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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192 als auch der Intelligenz bezüglich des Turnens herbeiführen könnten. Es bestehen zwar in allen galizischen Städten polnische Turnvereine „Sokol". aber diese haben auch unter ihren Konationalen einen schweren Kampf gegen Indolanz und Qleichgiltigkeit zu bestehen. Entstanden zu einer Zeit, unmittelbar nachdem sich das polnische Volk zu einer gewaltigen nationalen Tat, dem revolutionären Aufstand vom Jahre 1863 hinreissen liess, haben* dieselben nach einer 40 järigen Entwickelungsperiode kaum die Mitgliederzahl von 20 000 bei 2071 Turnenden erreicht. Die ruthenischen Turnvereine „Siez" verfolgen nur praktische Zwecke, sie sind mehr Feuerwehrvereine und beschränken ihre Tätigkeit auf das flache Land. Selbst die Schule sorgt nur in geringem Masse für die körperliche Erziehung. Nur wenige Schulen haben Turnhallen und Fachlehrer und das nur in den grösseren Städten. Auch an vielen Gymnasien fehlen Turnhallen, oder, wo solche vorhanden sind, die Lehrer. In manchen Städten haben sich Gemeinde und Schulbehörde veranlasst gesehen, die Sorge für die körperliche Erziehung den Sokolvereinen zu übertragen, wofür denselben seitens der autonomen Stadt- und Landesbehörden grosse Subventionen zugewendet werden. Unmittelbar sorgen die öffentlichen Körperschaften überhaupt nicht für die körperliche Erziehung, mit Ausnahme einiger Städte, wo die Stadtgemeinden auf eigene Kosten Spielplätze für die Jugend anlegt und erhält. Bezüglich der Turnbewegung ist die jüdische Bevölkerung auf Selbsthilfe angewiesen. Sie muss selbst die Mittel für die Gründung, Einrichtung und Erhaltung der Turnvereine aufbringen und hat dabei mit gewaltigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Einerseits ist es die materielle Lage der Juden, die geringe materielle Leistungsfähigkeit für die Turnsache, da ohnehin jeder Jude in mehreren Vereinen Mitglied ist. andererseits tragen die Kultusgemeinden nur in geringem Masse für speziell und rein jüdische Zwecke bei. Sie leisten für Turnzwecke nur ungern und sehr minimale Subventionen, beispielsweise gewährt die Lemberger, die grösste Kultusgemeinde, eine Subvention von 80 Kronen jährlich. In den Kultusräten sitzen ja Leute, die jeden Schein von Judentum von sich abstreifen möchten, die in jeder jüdischen Sache einen „Separatismus" sehen, den sie für das grösste Unglück der Juden ansehen und deswegen jede jüdische Bewegung bekämpfen und unterdrücken. Damit nur ja nicht die nichtjüdische Bevölkerung gereizt werde, können die Juden zugrunde gehen, moralisch und fysisch, besonders Q,e Jugend. Die reichen, gut situierten Juden, meistens Parvenüs, und die Beamtenintellifenz glauben, alle ihnen persönlich anhaftenden Mängel dadurch anstreifen zu können, dass sie sich durch Geld den Eintritt in die polnischen Vereine verschaffen, wo sie gern gesehen werden, solange sie Unterstützungen an Geld und Arbeit leisten. Sie werden sogar zu rein christlich-konfessionellen Veranstaltungen eingeladen, zu Weihnachten und Ostern, natürlich nehmen sie Anteil selchen. Apathie und Indolanz sind die gewaltigen Hindernisse der Entstehung von Turnvereinen. Ist ja das Turnen ideale Tätigkeit, die sich nicht in uew werten lässt und deren Resultate nicht so leicht sichtbar sind. Nicht in jeder Stadt kann ein Turnverein entstehen, entweder sind die Städte zu klein oder die jüdische Bevölkerung zu gering. Die Personen- »» Lokalfrage spielt eine gewaltige Rolle. Es ist schwer, Mitglieder Verein zu werben. Noch schwieriger ist die Lehrer- und Saalfrage zu lose Jüdische Turnlehrer sind überhaupt nicht vorhanden. Dem Unterricht

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