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Jüdische Turnzeitung · 1908-10-01 · 10 (10.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
10 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 10/11 189 ihr Anteil in der Aushebung zum Heere ist höher, als der der übrigen Bevölkerung, nämlich (1898) 3,2 auf 1000, gegenüber 2,21 bei der Gesamtbevölkerung. Es ist demnach sehr wohl möglich, dass auch in Deutschland die Juden nicht weniger tauglich zum Militärdienst sind, sondern nur infolge der Bestimmung über den Brustumfang weniger eingestellt werden. Immerhin aber erhebt sich die Frage, ob für den geringeren Brustumfang der ■luden sich ausreichende Erklärung finden lässt. Der Brustumfang hängt im wesentlichen von zwei Dingen ab: Der Weite der Lungen und der Stärke der Brustmuskulatur. Beides steht in engem Zusammenhang mit der Tiefe der Atmung. Die Weite der Lunge selbstverständlich. Aber auch die Stärke der Brustmuskeln, die zum grossen Teil Atemmuskeln sind und sich bei gewohnheitsmässig vertiefter Atmung nach demselben Gesetz allmählich verstärken, nach dem auch andere Muskeln durch regelmässige Übung erstarken. Hieraus erhellt zur Genüge, dass die Lebensweise ausserordentlichen Einfluss auf die Weite der Brust hat. Am Sonstigsten wirkt die starke, alle Glieder beanspruchende Arbeit in freier Luft, wie sie bei der Landbevölkerung geübt wird. In der Tat kann kein Zweifel darüber sein, dass in dem berühmten Streit zwischen Sehring und Brentari0 wenigstens darin Sehring recht hat, dass unter 100 Landbewohnern j^hr Militärtaugliche sind als unter 100 Stadtbewohnern. Unter den Stadtbewohnern weiden wieder die bevorzugt sein, die im Freien körperlich arbeiten, wie die Maurer, Steinträger, Schlächter, Bahnarbeiter etc., gegenüber denen, die im geschlossenen' Raum eine Arbeit verrichten, bei der oft "Ur eine Hand oder einige Finger sich betätigen, wie die Schneider, Buchlndei\ Graveure und die meisten Fabrikarbeiter. Ziemlich am schlechtesten ''na diejenigen dran, die sitzend eine geistige Beschäftigung ausüben, wie üle °ureauangestellten, Schreiber und die eigentlichen geistigen Berufe. ■ Und nun bedenke man die soziale Schichtung der Juden in Deutsch- . "d! Keine Ackerbauer, keine Schiffer, keine Steinhauer, Kutscher, selbst Ha"?! Schlosser, Böttcher, Zimmerleute — dafür massenhaft Buchhalter, ni h? Schneider. Studierte. Die Entwicklung, die dahin geführt hat, datiert hah V°n neute« die ganze Zeit des Ohettos war die Vorschule dazu. Da de?die JuJen das tiefe Atmen in der freien Luft verlernt. Fast die Hälfte hab 1Ud*.scnen Jungen Männer, die sich zum Militär stellen, die Einjährigen, sese" tie<die Zeit der Qeschlechtsentwicklung hinein über den Büchern tauB?,8kL." ^a wäre es wunderbar, wenn die Juden noch eine höhere Militärde»i . nätten als sie haben. Man kann sie deshalb ebensowenig weni nennenwie das deutsche Volk, weil bestimmte seiner Stände so w?eJ" Brustumfang haben. Vergliche man die Juden mit diesen Ständen iol- " en sie sicher, das kann man aus ihrer überaus günstigen Sterblichkeit «rn nicht schlechter dastehen als diese. Brustk h* Sicfl aber nun Ke8:en die bestehende schwache Entwicklung des die Fn| es bei den -Juden etwas tun? Wenn sie, wie wir ausgeführt haben, Ubun- Hangelnder körperlicher Übung ist, so muss sie durch gesteigerte Entwi iHUCtl wioder verbessert werden können. Da wir die wirtschaftliche S p 0 , f "* nicht rückgängig machen können, so muss künstliche Übung, Arbeit Losuna; der Juden werden. Hier liegt der Angelpunkt unserer Waffenrii müssen unseren Ehrgeiz darein setzen, die Juden so tüchtig zum zumal u * zu machen> wie >rgend einen anderen Teil der Bevölkerung, Weiter ifr eis:en.es Lebensinteresse darin liegt, dass unser Stamm erstarkt. des Landh e" Wir alles tun' um die Juden wieder zu den gesunden Berufen "'Öglich s UeS ZU brin|i:en' und da das in den jetzigen Wohnländern kaum Juden auf"- W'rd' liC8t hier eine der trössten Aufgaben des Zionismus, der eigener Scholle im eigenen Lande sässig machen will.

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