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Jüdische Turnzeitung · 1908-10-01 · 10 (10.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
10 (10.1908)
Date
1908-10-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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188 No. 10 11 denn diese können sehr verschiedener Natur sein. Es kommen zunächst die körperlichen Oebrechen in Frage, die mit einiger Wahrscheinlichkeit bei Juden nicht wesentlich häufiger Ursache der Untauglichkeit sein werden als bei den Nichtjuden. Obwohl keine genauen Zahlen darüber vorliegen, können wir vielleicht nur die Anzahl der stark Kurzsichtigen bei den Juden etwas höher annehmen. Jedenfalls aber fällt die Zahl kaum ins Gewicht. Ebensowenig werden beträchtliche Unterschiede in der zweiten Klasse der Ursachen für die Untauglichkeit zum Heeresdienste vorliegen, bei den chronischen Krankheiten. Die wichtigsten der Zahl nach sind hier die Herzfehler, die Lungentuberkulose und die Geisteskrankheiten; und wenn auch die Juden vielleicht eine etwas grössere Zahl von jugendlichen Geisteskranken haben, so sind sie andererseits in der Lungentuberkulose sicherlich begünstigt, da bekanntermassen die Juden unter dieser Krankheit viel weniger leiden. Die weitaus wichtigste Ursache für die „Zurückstellung" vom Militärdienst ist bekanntlich die „allgemeine Körperschwäche". Hierunter ist nicht eine bestimmte Krankheit zu verstehen, sondern die Überzeugung der unter' suchenden Militärärzte, dass der betreffende junge Mann infolge einer gewissen Schwächlichkeit nicht imstande sein würde, die grossen Strapazen des Heeresdienstes ohne Schaden zu ertragen. Diese Annahme ist nun nicht einfach dem Gutdünken der Militärärzte überlassen, sondern findet ihren greifbaren Ausdruck in der Messung de s Brustumfanges. Es wird angenommen, dass bei kräftiger Entwicklung des Körpers der Brustumfang mindestens die Hälfte der Körperlänge betragen muss. Da nun Deutschland über eine so ausreichende Menschenzahl verfügt, dass auch völlig körperlich taugliche junge Leute als „Überzählige" zurückgestellt werden, so kann diese Forderung Im vollen Umfange durchgeführt werden. Diese Bestimmung trifft nun die Juden in ganz besonderem Masse, weil alle, die körperliche Untersuchungen an Juden vorgenommen haben, darin übereinstimmen, dass die Juden einen durchschnittlich geringeren Brustumfang haben als andere Völker. Er bleibt meist etwas unter der Hälfte der Körperlänge. Solche Messungen an mehreren tausend Juden sind von Snigireff in Russland. Elkind in Polen, Maier und Kopernicki in Galizien, Fishberg in New York u. a. vorgenommen worden, und ich kann sie nach eigenen Untersuchungen bestätigen. Ist aber mit dem geringeren Brustumfang der Juden auch schon 2e" sagt, dass sie körperlich minderwertig sind? An sich durchaus nicht. Es gibt eben schlanke und untersetzt gebaute Rassen,' und die Juden gehören — übrigens auch die durchaus kriegstüchtigen Japaner — zu den schlanken Rassen. Weissenberg und Elkind haben ausserdem nachgewiesen, dass auch die Juden einen grösseren Brustumfang erreichen, aber erst im späteren Alter- Ihre Entwicklung in dieser Beziehung ist nicht, wie gewöhnlich, etwa n" dem 30. Jahre abgeschlossen, sondern sie erreichen ihren grössten Brustumfang erst kurz vor dem 40. Lebensjahre. Dass geringer Brustumfang die Leistungsfähigkeit im Heere nicht ausschliesst, dafür gibt es zwei exakte Nachweise. Erstens wird bei der Atttnahme der Einjährig-Freiwilligen — und auch der andern sich freiw'1* Meldenden — ein Auge zugedrückt, ohne dass schädliche Folgen sich zeijje Ich selbst bin, trotz nicht ganz ausreichender Brustweite, eingestellt worden, habe den Dienst ausgezeichnet überstanden — und das Militär mit * reichendem Brustumfang verlassen, eine Erscheinung, auf die wir noch we» unten zu sprechen kommen. Zweitens aber wird gerade den Juden Se(tenii?.n in Russland dieselbe Ausnahme gemacht. Hier weiss man, dass die 'u j trotz geringerer Brustweite eine gute Leistungsfähigkeit haben können, u

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