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Jüdische Turnzeitung · 1908-08-01 · 8/9 (8.1908) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
8/9 (8.1908)
Date
1908-08-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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No. 8/9 179 flackerndes, wackelndes Kerzenlicht beleuchtete spärlich den Innenraum, wo wir nun die kommende Nacht zu verbringen hatten. Nachdem jeder herausgefunden, wie er am bequemsten sitze und sein Ränzel am besten unterbringe, hatte man das Rütteln und Stossen des Wagens im Gesang und launiger Unterhaltung bald vergessen. Die Luft aber war drinnen nicht besser geworden, die Müdigkeit schien immerhin mehr und mehr unser Herr werden zu wollen, und so machten wir unseren ersten Spaziergang von!—2 Uhr morgens durch den Drahaner Wald. Die Strasse führt durchwegs geradlinig durch dichtes Nadel- und Laubgehölz stets bergaufwärts. Links und rechts ein tiefes Dunkel, aus dem leises Sausen und Brausen an unser 9nr dringt, am Wegrande leuchten plötzlich ungezählte Glühwürmchen auf, die uns wiederholt zu kurzem Stehenbleiben veranlassen, über uns ein leicht bewölkter Himmel, von dem nur hie und da ein Sternlein uns freundlich Krüsst. Als wir den Gipfel des Hügels erreicht hatten und es jetzt bergab Rehen sollte, bestiegen wir wieder den Wagen und kamen um 3 Uhr früh in Drahan an. Hier rasteten wir zwei Stunden, wovon wir eine Stunde auf einer Strohstreu verbrachten, auf der die meisten vergebens erquickenden Schlaf suchten. Um 5 Uhr brachen wir wieder auf und kamen durch hügeliges, reich bewaldetes Land um 8 Uhr morgens in Sloup, dem Endziel der Wagenfahrt, an. Nach einem ausgiebigen, erfrischenden Frühstück marschierten wir ab, um vorerst die „Slouper Höhlen", weit ausgebreitete Kalksteinhöhlen, mit stellenweise sehr starker Stalagmiten- und Stalaktiten-Bildung, zu besehen. w'r hatten uns hier nicht viel über eine halbe Stunde aufgehalten und Wendeten uns gleich weiter, um zu dem bekannten Erdsturze „Macocha" zu Klangen. Der Weg führte uns bergauf, bergab, ununterbrochen durch Laub¬ und Nadelwald, wo die letzten regnerischen Tage noch deutliche Spuren zurückg2iassen hatten. Mittags waren wir am gewünschten Ort. Zwei Aussichtswarten gestatten einen Blick in die 180 m tiefe Schlucht, deren Romantik zwar jedem schon im ersten Moment Worte hellen Staunens auf die 'PPen lockt, deren Schauerlichkeit aber nach längerem Verweilen erst recht h tt"1 ZUm Bewusstsein gelangt. Nachdem wir uns auch selbst überzeugt atten, dass ein Stein 7 Sekunden lang hinabfällt, wie es in jedem „Führer" " lesen ist, nachdem auch uns der laute Krach jedes Steines beim Auffallen "Jen überrascht hatte und wir durch das schallende Echo abgefeuerter seh SSC erscni'eckt worden waren, trugen wir zum erstenmale einen Jüdim y Turnverein in das dort aufliegende Fremdenbuch ein und gingen daran, D e Kühle der Witterung durch ein warmes Mahl in unserem Innern zu Pu llysieren" Um 1/23 Uhr traten wir den Weg nach Blansko durch das 2V ,Wata' an, eine der schönsten Partien der Mährischen Schweiz. Nach n'2*"indteern Marsche kamen wir in Blansko an, um per Eisenbahn gleich He h a'itz weiterzufahren, wo wir im Restaurant Meyer eine vortreffliche sch'f+ree ""^ ausserst türsorgliche Wirtsleute fanden. Am andern Morgen Luftir W'r um 7 ^nr unserm nächsten Ziele — dem viel frequentierten ruin"°rte Boskowitz — rüstig zu. Vorerst erreichten wir die „Schlossw»rd ' ^auerreste einer ganz verfallenen, Jahrhunderte alten Burg und Ward" um.11 Unr von früheren Vereinskollegen in Boskowitz begrüsst. Da ju .utls e'ne angenehme Überraschung zuteil, als man uns zu Ehren die Judeih6 ^eS dort'ge'1 Turnvereins zu Bockübungen antreten Hess. Der aus Senut? .e.st?nende Turnverein, der nicht mehr genug „deutsch", noch nicht ^.ir K »Jüdisch" ist, nennt sich heute Boskowitzer Turnverein. Doch hoffen eintritt Versicntucn' dass der einzig mögliche Umschwung auch dort bald stramm Untt U'r 'n Boskowitz einen Bruderverein werden begriissen, die Mittag"0". 'UI,8:en Burschen bald werden Turnbrüder heissen können. Die agszeit brachten wir noch dort zu und traten um 2 Uhr das letzte

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