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Jüdische Turnzeitung · 1908-08-01 · 8/9 (8.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
8/9 (8.1908)
Date
1908-08-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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171 Auch dies nicht--ein Beweis, wie wenig man an seiner Religion hangt, wie wenig das Gefühl gestärkt ist. — Dies kommt daher, weil der grösste Teil der Jugend keinen oder zu geringen Unterricht in der jüdischen Geschichte genossen hat. — Geschichte geht mit Turnen Hand in Hand, nur durch ihr gründliches Studium kann das Bewusstsein unserer erhabenen Pflicht bestärkt werden, nur auf diese Weise durch Pflege der beiden Teile können national-jüdische Turner herangebildet werden. Abendkurse sollten daher gebildet werden, ein tüchtiger Lehrer müsste engagiert werden oder für den Anfang die etwas vorgeschrittenen Herren zum ersten Erteilen des Unterrichts herangezogen werden, um die Unwissenden zu instruieren, ihnen das Gefühl einzuprägen, dann können wir im Laufe der Zeit den erforderlichen Umschwung bei der hiesigen Jugend wahrnehmen, und ein Jeder wird erst dann die Erfüllung unserer wichtigen Aufgabe, gleich unseren anderen Turnbrüdern, einsehen und zum Gelingen mit wahrhaft jüdischem Bewusstsein beisteuern können. Mordi. Die psychologische Grundlage zu turnerischer Ausbildung. Von A rtur Hahn, K. K. Professor in Mähr.-Ostrau. Es sei gestattet, auf etwas hinzuweisen, was — wie es oft der Fall lst — vielen oder gar den meisten bekannt ist, dessen Nutzanwendung selten oder gar nicht geschieht, wohl aber sehr anzuempfehlen wäre. Es ist e'ne Binsenwahrheit, dass zu allen Fertigkeiten Übung gehört. Wer diese D«ng nicht besitzt, kann also diese Fertigkeiten nicht ausüben. In den meisten, und gerade in den jüdischen Turnvereinen fällt es schwer, neue Mitglieder zu werben. Es ist hier nicht von zahlenden Mitgliedern die Rede, die sich wohl auch schwer finden lassen dürften, sondern v°n ausübenden. Was ist der Grund, dass sich besonders Erwachsene, welche seit der Schulzeit ein Turngerät nicht berührt haben, so schwer oder in der Mehrzahl der Fälle gar nicht entschliessen, ausübendes Mitglied eines Turnvereins zu weiden? Was ist der Grund, dass sich viele nach 2—3 Stunden für immer absentieren? Es sei hier in wenigen Worten gesagt: Es ist ein gewisses Schamgefühl; man will nicht lächerlich erscheinen. Diese Eitelkeit ist in der menschlichen Natur begründet. Aber auch der Umstand, dass es uns nicht gelingt, im Anfang auch n"r die leichteste Übung auszuführen, ist psychologisch leicht erklärbar. Was heisst Übung? Um dies zu erklären, müssen wir etwas weiter ausholen: So ungeordnet die Aufeinanderfolge der Vorstellungen aucli erscheinen '"ag, so unterliegt der Ablauf der Vorstellungen doch ganz bestimmten Gesetzen. Treten zwei Vorstellungen zu gleicher Zeit oder kurz nacheinander 'n unser Bewusstsein, z. B. das Bild einer Gegend und eines Freundes, eil wir Uort getroffen haben, so gehen die beiden Vorstellungen unter be- . mmten Umständen eine so innige Verbindung ein, dass mit dem Auftreten er einen Vorstellung (das Bild der Gegend) auch die andere Vorstellung as Bild des Freundes) in unser Bewusstsein tritt.

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