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Jüdische Turnzeitung · 1908-08-01 · 8/9 (8.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
8/9 (8.1908)
Date
1908-08-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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170 No. 8,9 betriebes im Auge haben und verhindern, dass sich ein Verein von „Nurspielern" im Turnverein bildet, aber ein Wechsel der Personen wann dieses schöne Verhältnis mit einem Schlage ändern. Deshalb muss die Leitung des Turnvereins auf den Betrieb der Spielabteilung dauernd den gleichen Einfluss ausüben können wie auf den der andern oben genannten Vereinsabteilungen. Es empfiehlt sich, in grösseren Vereinen einen besonderen Spielausschuss zu wählen, dem Mitglieder des Turnrates, der Vorlurnerschaft und der Spielabteilung angehören. Da auf dem Spielplatze auch volkstümliche Übungen gepflegt werden sollen, so wird sich leicht ein Vorturner finden, der die Leitung als Spielwart übernimmt und als solcher in den Turnausschuss oder technischen Ausschuss des Vereins eintritt. Bei der steigenden Wertschätzung volkstümlicher Übungen wird in Zukunft vielleicht der stellvertretende Turnwart das Amt eines Spielwartes übernehmen und auch der Hauptturnwart gezwungen sein, den Spielplatz aufzusuchen. Die Kosten für den gesamten Spielbetrieb muss die Vereinskasse tragen, wogegen es natürlich jedem Vereinsmitglied freisteht, den Spielplatz zu benutzen und ohne besondere Abgaben an den Spielen teilzunehmen. Wettspiele und Spielfeste sind ebenso Unternehmungen des Vereins, können also schon deswegen nicht zu den Vereinsschauturnen, zu Turnfahrten und Vorturnerstunden in Gegensatz treten. Bei den Spielfesten auf der Spielwiese sollen alle Vereinsmitglieder wenigstens an den volkstümlichen Wettübungen und an den Volksbelustigungen tätig teilnehmen, an den Wettspielen mindestens als Zuschauer. Dadurch werden immer neue Mitglieder der Spielabteilung zugeführt und ihr Wert für den ganzen Verein kommt auch den älteren Turnern immer mehr zum Bewusstsein. Um den Gipfelturnern und Wetturnern den Besuch des Spielplatzes zu erleichtern, empfiehlt es sich, dort auch Reck und Barren aufzustellen, damit diese Vereinsmitglieder, die oft gerade im Sommer und dann auch meist des Sonntags schwierige Pflichtübungen erlernen müssen, in frischer Luft üben können, womöglich vor und zwischen den einzelnen Spielen. Auch für den Spielplatz gilt Goethes Wort: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Brief aus Konstantinopel. Am Tischebeaw! Es ist heute Tischebeaw, ein schwerer Tag, voll trüber Erinnerungen. Nur die Alten, die Reminiszenzen nachspüren, die ihrer Religion bewusst sind, nur diese sieht man in den Synagogen, in den wenigen, leeren Tempeln, ihre Andacht erfüllen. Nur die von national-Jüdischem Bewusstsein durchdrungenen Leute tragen den Stempel dieses für den Juden so wichtigen Tages. Es ist traurig genug, die Oleichgiltigkeit anzuschauen, die hier bei den Juden herrscht, wie man diese seine Religion als Jude behandelt und verheimlicht, ganz im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten, dort, wo der Jude sich bedrängt fühlt, welcher die jüdische Geschichte intensiv pflegt. Man will heute das Fasten nicht mehr halten, man betrachtet dasselbe als eine Marter für den Körper — die heutige schwache Generation will und kann sich eine Qual nicht mehr auferlegen — aber sie sollte doch wenigstens durch warme Anteilnahme an solchen Gedenktagen ihr Nationalgefühl bezeugen, die Vorlesungen mit anhören und wissen, um welchen Tag es sich heute handele. —

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