Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 8/9 (8.1908)
- Date
- 1908-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8/9 169 Endlich ist der grosse Tag da. Wer kennt nicht die Stimmung, die den echten jüdischen Turner erfüllt, wenn er erhobenen Hauptes durch den Saal marschiert und die noch erhöht wird, wenn eins der begeisternden jüdischen Lieder aus aller Munde ertönt! Ist es nur der Ehrgeiz, sein Können zu zeigen? Nein! Hier kommt es dem jüdischen Turner erst zum Bewusstsein, dass er sich unter Seinesgleichen, unter Juden befindet, die mit dem althergebrachten kriecherischen Wesen gebrochen haben und stolze, aufrechte Männer werden wollen; hier sieht er den Erfolg der Vereinsarbeit. Die Freiübungen wickeln sich in bester Weise ab, wenn auch hier und da jemand aus dem Gleise kommt. Die folgenden Übungen erwecken schon den berühmten Enthusiasmus, sie stehen unter dem Einflüsse der hergestellten Verbindung zwischen Turnern und Publikum. Während bei den Freiübungen sich alles noch kalt und fremd gegenübersteht, ist der Kontakt bereits nach dem ersten Beifall da, die Turner fühlen sich schon mehr verwachsen mit dem Publikum und legen die Scheu, die bisher vielleicht an ihnen haftete, ab. Nur die Damenabteilung hat in dieser Beziehung mit ihren Leistungen einen schweren Stand. Die Vorführungen neigen sich ihrem Ende zu. Langsam leeren sich die Räume, hier und da wird Kritik geübt, wird nachgedacht Uber die Ziele des Vereins und der jüdischen Turnbewegung. Der Turner ist noch zurückgeblieben; er durchlebt im Qeiste nochmals jede Phase des Schauspiels und schaut stolz und freudig in die Zukunft. Einfügung der Spiele in den Vereinsbetrieb/* „Immer strebe zum Ganzen!" Während sich die sogenannten Neckspiele, die gewöhnlichen Turnspiele, einfach dem regelmässigen Turnbetriebe der Vereine einfügen oder anschliessen, ist das bei den Kampfspielen ihrer ganzen Natur nach nur selten "räglich. Kleinere Turnvereine, die über einen grossen freien Turnplatz verfügen, können wohl drei bis vier Monate im Jahre einen Turnabend ganz oder teilweise zum Spielen benutzen, im allgemeinen erfordert aber der Betrieb der Kampfspiele eine Trennung von dem üblichen Vereinsturnen nach Raum und Zeit und meist schon deshalb eine besondere Leitung, weil der Vereinsturnwart durch die Leitung der Vorturnerstunden oft auch des Frauenturnens und Kinderturnens genügend, oft mehr als genügend beschäftigt ist. Der Verein ist also gezwungen, ebenso wie beim Frauen-, Klings-, Alters- und Kinderturnen eine besondere Abteilung zu errichten und diese seinem gesamten Vereinskörper so einzufügen, dass sie als dessen Wesentliches Qlied, nicht aber als eine selbständige Vereinigung erscheint Die Art der Einfügung ist von höchster Wichtigkeit für die ganze Zukunft der Kampfspiele im grossen Bund der Turnerschaft, denn gerade hier sind seit Beginn der Spielbewegung in Deutschland Missverhältnisse entstanden, die oft genug die Abtrennung der Spielabteilung und ihre Umwandlung zu einem Sportklub veranlassten. Statt nun die Spielabteilungen besser anzurichten und fester dem ganzen anzugliedern, sahen viele Turnvereine Jjn unberechtigten Misstrauen gegen jedes Kampfspiel überhaupt ganz von messen Einführung ab. Qewiss können die Leiter und Führer der Spiel- ^^JJnd^Spielvereinigungen als echte Turner nur das Oanze des Turn- D •) An» dem „Kamp&plelbuch für Turnvereine« von Ern«t Flach er-rUmbare;. "««»che Volk»tarnbOcher, Heft 40/41, Mex He»»«» Verleg, Leipiig.