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Jüdische Turnzeitung · 1908-08-01 · 8/9 (8.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
8/9 (8.1908)
Date
1908-08-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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168 No. 8/9 lassung jeder Etikette, zu einer Zeit, in der auch das Proletariat ruht, am besten Sonntag Nachmittag. Infolge niedriger «.Preise" und verringerter Regie dürften sich die — nun einmal notwendigen — Einnahmen sogar noch erhöhen lassen. Von einem grossen Erfolg, einem moralischen Eindruck kann bei den in diesem Blatte wiederholt geschilderten Schauturnen im Tanzsalon schwerlich die Rede sein. Wie werden die grossen deutschen Turnfeste gefeiert? Draussen in der Natur, jedem zugänglich; dadurch ist das Turnen volkstümlich geworden. Solche Feste können wir nun zwar noch nicht veranstalten, was wir aber können, das ist, unsere Schauturnen vor der breitesten Öffentlichkeit, nach grosszügiger Propaganda in den mittleren und unteren Schichten des Volkes abzuhalten, nicht in Form einer Schaustellung, sondern als nationale Demonstration. Hierfür bietet sich in grossen Städten, wo eigene Judenzentren bestehen, wo ganze Stadtteile fast ausschliesslich von Juden bewohnt sind, ein fruchtbarer Boden. Wir Turner sind zwar Feinde eines jeden Schematismus, können aber das gewöhnliche Bild eines gelungenen Schauturnens wohl mit einigen Strichen andeuten. Der Vorstand hat unter dem Beifall der Generalversammlung beschlossen, gegen Ende der Saison mit einem Schauturnen vor die jüdische Öffentlichkeit zu treten, um einerseits zu zeigen, was der Verein leistet, andererseits, um Propaganda zu machen. Bald beginnen die nötigen Vorbereitungen. Der Turnwart setzt die Riegen zusammen, hier wird jemand eingeschaltet, dort entfernt, der nicht recht in das Qefüge hineinpasst, die Vorturner werden ausgesucht, und nun folgt ein reges Einüben und Einstudieren der vom Turnwart zusammengestellten Übungen, jeder Vorturner bestrebt, der erste fertig zu werden und die exakteste Durchführung zu erzielen. Inzwischen hat der Platzleiter auch mit den Freiübungen angefangen, die vermöge ihrer Eigenart eine besondere Schulung erfordern. Manch böses Wort des Turnwarts, der mit der Ausführung trotz grösster Anstrengung der Turner, noch immer nicht zufrieden ist, fällt, schliesslich ist aber auch hier berechtigte Hoffnung vorhanden, dass alles klappen wird. Eine besondere Überraschung wird von den vorgeschritteneren Turnern, der Elite, geplant: eine Musterriege an irgend einem imposanten Gerät, Freiübungen an besonders hergerichteten Stäben oder Keulen und dergleichen. Einen gewichtigen Platz nehmen die Pyramiden ein, die auf keinem öffentlichen Schauturnen fehlen sollten, und die nicht nur am Festplatze selbst, sondern auch schon in den Übungsstunden Lacherfolge erzielen, wenn die höchste „Spitze" infolge eines „Erdbebens" von unten zu wanken beginnt und schlimmsten Falles „abstürzt". Besonderen Fleiss erfordert die Vorführung der Damenriege, die, wie bei allem, auch bei einem Schauturnen nicht fehlen und ihr Bestes zeigen will, sei es in einem Tanzreigen, in Freiübungen oder gar an einem Gerät. Allmählich rückt der für das Schauturnen festgestzte Zeitpunkt näher und desto nervöser wird der einzelne Turner, häufen sich die Beratungen zwischen Turnwart und den geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern, desto intensiver wird gearbeitet. Hier wird an dieser Übung am Barren, dort am Reck ausgebessert, und so geht es fort von Stunde zu Stunde, bis in der Generalprobe Heerschau über die Mannen und ihre Leistungen gehalten wird. Schon hier macht sich eine gewisse Beklommenheit .der einzelnen Teilnehmer geltend, dann aber herrscht gerade an diesem Abend eine grosse Unruhe, ist es doch das einzige Mal, dass Turner und Turnerinnen gemeinsam am Platze erscheinen; was Wunder, dass hier die Turner mit ihren Leistungen Effekt machen wollen.

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