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Jüdische Turnzeitung · 1908-08-01 · 8/9 (8.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
8/9 (8.1908)
Date
1908-08-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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167 Bürger heisst es: „Dort wo die Oedanken fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein", für den schlichten, gedankenreichen Arbeiter aber: ».Dort wo die Worte fehlen, da stellt ein Bild zur rechten Zeit sich ein". AU das kann Qrottewitz nicht erdacht haben. Das lehrte ihm der freundschaftliche Verkehr mit einfachen, schlichten Leuten. Bölsche wird in seinem Vorwort dem Wesen Qrottwitz' gerecht. Es ist ein schöner Tribut, den der Mann der Wissenschaft dem Dichter bringt, dessen Qedächtnis dort leben wird, „wo der rote Oeranienstock am Fenster des Proletariers blüht und die goldene Sonnenblume in einem Winkel zwischen zwei Eisenbahndämmen ragt". Fritz Abraham. Wir empfehlen unseren Turnbrüdern die Anschaffung dieses schönen Buches aufs dringlichste und möchten es vor allem in keiner unserer Vereinsbibliotheken missen. Die Red. Schauturnen. Von Alfred Burin, Wien. In den nächsten Monaten wird die Mehrzahl unserer Brudervereine öffentliche Schauturnen abhalten. Uber den Wert derartiger Veranstaltungen 'st wiederholt und von ausgezeichneten Männern in der Jüdischen Turnerschaft gestritten worden; während die einen, und nicht mit Unrecht, erinnern, dass der Erfolg eines Schauturnens bei weitem nicht in Einklang zu bringen Se> mit den mühseligen Vorarbeiten, mit den wochen-, ja mitunter monate- AKe-n Einstudierungen, wird auf der anderen Seite geantwortet, dass die Arbeit für das Schauturnen die Mitglieder veranlasse, ihre turnerische Energie erheblich zu steigern, das Beste herauszuholen, dass die gemeinsamen Vorführungen das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken, schliesslich auch die Mitglieder einander näher bringen. Es soll hier nicht über diese prinzipiellen fragen entschieden werden, ich glaube vielmehr, dass bei geschickter Einteilung der Arbeit und kluger Leitung beiden Teilen Gerechtigkeit werden kann. »Unsere Schauturnen sollen der Propaganda dienen!" Wir sind mit unserer Idee noch lange nicht in die Massen des jüdischen Volkes gedrungen; infolge der Knechtschaft des Mittelalters hegen weite Kreise unseres Volkes eine eigenartige Abneigung gegen jede körperliche Übung und entschliessen s,ch nur sehr schwer, das traditionelle Vorurteil aufzugeben. Wir sind noch "'cht so weit, wie andere Völker, Deutsche, Polen, Czechen, wir brauchen "°ch viele Jahre kräftiger Werbearbeit, und da sind es vor Allem unsere Schauturnen, die uns immer neue Scharen unserer Volksgenossen zuführen sollen. p Die Öffentlichkeit darf daher nicht beschränkt sein, wie es z. B. der £all ist, Wenn das Schauturnen einen gesellschaftlichen Charakter trägt. Es *eht keineswegs an, dass ein Vereinsschauturnen durch Toilettenzwang und "ohes Eintrittsgeld zu einem „gesellschaftlichen Ereignis" gemacht wird. jJann werden ja die Kreise, welche die von uns angepriesene körperliche ijebung am notwendigsten brauchen, von vornherein ausgeschaltet. Ein an/-krärizchen mit etwas Turnerei ist gewiss sehr wertvoll, namentlich, wenn es einen hohen Uberschuss erzielt, es wird aber doch nur von unseren Angehörigen und Freunden besucht, also von Leuten, die ohnehin für die Sache «ewonnen sind. Volkstümliche Schauturnen für die Massen sind nötig, wenn nicht bei ""entgeltlichem Eintritt, so doch gegen eine minimale Gebühr und unter Fort-

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