Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 8/9 (8.1908)
- Date
- 1908-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8/9 163 XI. Deutsches Turnfest in Frankfurt a. M. Bericht von Julius Joachimsthal. Als im Frühjahr 1860 das „I. Deutsche Tum- und Jugendfest in Koburg" bei einer Beteiligung von kaum einigen hundert Turnern gefeiert wurde, hatte wohl keiner der Führer (Qeorgii, Dr. Angerstein und Dr. Qötz) der Deutschen Turnerschaft gedacht, dass sich aus der alle vier Jahre statt- "ndenden Feier ein Volksfest von solchen DimensfönM^enTwTckeTh würde, wie das XI. Turnfest in Frankfurt a. M. Man war allgemein der Ansicht, dass das letzte Fest 1904 in Nürnberg mit 31000 Turnern wohl nur um wenig .Ubertroffen werden könnte. Dass sich die Beteiligung in Frankfurt Kenau verdoppelt hat (ca. 60 000 angemeldete aktive Turner), übertraf selbst die höchsten Erwartungen und jedenfalls der beste Beweis für die Richtigkeit der Prinzipien der „Deutschen Turnerschaft", aber auch ein glänzendes Zeugnis für die nur bei unbedingter Einigkeit mögliche Arbeitsleistung der »Frankfurter Turnerschaft" (16 Vereine), die die Veranstaltung des Festes übernommen hatte. Allerdings haben die Frankfurter Bürger, und vor allem die Lokalbehörden den Turnern sehr grosses Entgegenkommen bewiesen. Aber Hauptsache war natürlich die eigene, sehr schwierige Organisation, gehörte docn allein zur Bewältigung der Vorarbeiten ein Beamtenheer von ca. 1500 Personen, die in div. Ausschüssen und Unterausschüssen selbständig arbeiteten. Da waren ca. 20 000 Turner in Massen- und Bürgerquartieren unterzubringen, da gab's 30 Turnfahrten zu arrangieren, darunter eine Mittelmeerfahrt, eine {"ahrt nach Italien, nach Paris (500 Teilnehmer!), nach dem Taunus (3000 'eilnehmer!), nach dem Niederwald (5000 Teilnehmer), Schwarzwald (500), ,v°gesen usw., und sämtliche Fahrten mussten 6 Wochen vorher fix und fertig!t> einer Broschüre beschrieben sein. Eine immense Aufgabe hatte der Turnausschuss zu lösen (Vors.: Festturnwart A. Volze), die unendlich vielen j «nderveranstaltungen so zu legen, dass sie sich weder zeitlich noch räumllch behinderten. Das Fest begann offiziell am 11. Juli mit der Einweihung der Festhalle, p0lan sich täglich, bis zum 17., Veranstaltungen der lokalen Turnverbände, ''oben und gemeinsames Turnen der Knaben- und Mädchenschulen schlössen. P Am 17. wurde ich schon in aller Herrgottsfrühe durch Musik und Heil- Jvufe geweckt, es waren die in 60 bis 70 Extrazügen aus allen Qauen Deutsches ankommenden und mit Musik feierlich eingeholten Turner. Die vaggons waren mit Tannengrün und Wimpeln geschmückt, die Lokomotive m,t grossen Plakaten „Out Heil", „ürüss Gott" etc. behangen. Zur Orien- 'erung waren wohl an tausend Schuljungen mobil gemacht worden, die, mit weissen Binden am Arm, mit der Aufschrift „Fremdenführer", jedem, der wollte oder auch nicht wollte, ihre Dienste anboten. Abends fand die '»nizielle Begrüssungsfeier in der Festhalle statt und die Übergabe des undesbanners an die „Frankfurter Turnerschaft" zur Aufbewahrung bis 2um nächsten Turnfest 191/iin Leipzig. ,B Am nächsten Tage, Sonntag früh, Punkt 6 Uhr morgens, waren ca. -"00 Turner zum Fünfkampf angetreten. Die Geräte waren: . , 1. Weithochspringen (Pflicht 1,10 hoch, 2,00 weit, 20 Punkte 1,60 h°ch, 3,00 weit); 2. Steinstossen (15 kg aus dem Stand, Pflicht 4 m, 20 Punkte 6 m, °n 2 Stössen gilt der beste); . 3. Dreisprung (mit Brett, Pflicht 9 m, 2(1 Punkte 12 in engl, oder deutscher Sprung);