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Jüdische Turnzeitung · 1908-08-01 · 8/9 (8.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
8/9 (8.1908)
Date
1908-08-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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162 No. 8/9 Es liesse Sich natürlich noch vieles über die einzelnen Spezialgebiete sprechen, doch das hiesse über den Rahmen dieser Erläuterungen hinausgehen. Ich empfehle allen, die näheres über Athletik erfahren wollen, sich einige von den vielen Veranstaltungen des Berliner Athletikverein anzusehen. Mir sollte es genügen, eine kleine Anregung dazu gegeben zu haben. Zum neuen Jabre 5669! Von Paul Michaelis-Berlin. Tischo-be-aw, der Jahrestag der Zerstörung Jerusalems, ist vorüber. — Ein Teil der Juden hat seiner gar nicht gedacht. — Am Meeresstrande oder auf Bergeshöhen genossen sie ihr Leben, ohne sich um Israels grössten Trauertag zu kümmern. Aber wir Vollblutjuden feierten wieder den Tischobe-aw: Andächtig gingen wir ins Gotteshaus, um unsere tausendjährigen Gebete zum Himmel emporzusenden, und flehten um ihre Erhörung — die Alten und wir Jungen. Die Alten beteten; doch in ihren Blicken lag wenig von der Hoffnung auf Israels Glück. „Du, Ewiger, thronest ewig. Dein Thron ist von Geschlecht zu Geschlecht. Bringe uns zu Dir zurück, dass wir zurückkehren. Erneu3re unsere Tage wie in der Vorzeit!" So beteten sie. Aber zu viel Bitteres hatten sie schon im Leben erfahren, als dass sie noch hoffen konnten — hoffen auf das Grösste: auf ihres Volkes Befreiung. Doch nun dieJungen! Durch die Jugendlichen Herzen zog ein mächtiges Sehnen, da sie Zions gedachten. Mit Inbrunst beteten sie: „Im eschkaschech jeruscholajim tischkach jemini." „Wenn ich dein vergesse, Jerusalem, so verdorre meine Rechte!" Sie erinnerten sich der Szederabende, da sie ihre Blicke zum Himmel wendeten mit den Worten: „Leschono habo beieruscholajim." — „Im kommenden Jahre in Jerusalem!" — Die Augen derer, die so sprachen, leuchteten, ihre Herzen schlugen höher. Und wieder stehen wir an der Schwelle eines neuen Jahres. Alle W ünsche und Hoffnungen der verflossenen Jahre tragen wir Jungen ins neue hinüber mit der festen Zuversicht, dass sie endlich erfüllt werden. Denn jung sein heisst: an grosse Träume glauben — und nicht nur glauben, sondern auch mitarbeiten. „Mitarbeiten? Wie können wir das?" so fragt mancher jüdische Turner. Ihr könnt es! Das geistige Fördern unserer Idee überlasst den grossen Führern. Ihr aber tut, was in euren Kräften steht: Lasset euch im Qewühle und Treiben des Lebens nicht den Sinn für eures Volkes Grösse und die gewaltige Tradition, die euch überkommen ist, rauben, gedenkt der grossen Zukunft, die euer wartet. Wir brauchen ganze Männer! Jene Jammergestalt des Ghettojuden mit dem gekrümmten Rückgrat, die den anderen zum Gespött dient, lebt nicht mehr. Wir haben jetzt neue Juden. Und ihr seid es, die ihr eure Körper stärkt und kräftigt. Lasset darin nicht nach! Wenn der Neuiahrstag so in euch den Willen stählt, als ganze Männer eurem Volke die Treue zu halten, dann dürft ihr in ruhiger Zuversicht die Gebete für eures Volkes Zukunft zu Gott emporsenden. Das sei das schönste Neujahrsgeschenk des jüdischen Turners an sein Volk und an seine Religion-

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