Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 8/9 (8.1908)
- Date
- 1908-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4921092-5965115-5965282--2258-4925084- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
164 No. S>9 4. Schleuderballweitwerfen (Gewicht 2 kg, 25 cm Durchm., Schlaufe bis 20 cm lang, mit Anlauf oder aus dem Stand, von 2 Würfen der beste. Pflicht 27 m, 20 Punkte 42 m); 5. Schnelläufen 100 m (Pflicht 16 Sek., 20 Punkte 12 Sek.), dazu kam eine Pflichtfreiübung, die bis 10 Punkte gewertet wurde, sodass 110 Punkte zu erreichen waren. Jeder Turner über 75 Punkte war Sieger und erhielt ein Diplom. Bemerkenswert ist übrigens die endliche Abschaffung des 200 m Laufes in der „deutschen Wetturnordnung", die alle Kenner der Turnerei schon seit langem forderten. Viele, auf die man sehr gerechnet hatte, versagten teilweise infolge der durch Regen aufgeweichten Bahn und des Sprungplatzes sowie der neuen, gar nicht klappenden elektrischen Starteinrichtung. Zum Beispiel Abraham-Berlin, Mallup-Berlin, die fast drei Stunden auf das Laufen warten mussten. Um 12 Uhr war der Festzug angesagt, der bei einer Beteiligung von ca. 100 000 Menschen ein imposantes Bild bot und in der Tat eine mächtig imponierende Volksbewegung darstellte. (Fortsetzung folgt.) Olympische Spiele In London. Die olympischen Wettkämpfe, die in den ersten Tagen des August in London zum Austrag kamen, zeitigten in den meisten Sportszweigen ausserordentliche Leistungen und brachte eine ganze Reihe neuer Rekords. Wenn die deutschen Erfolge hinter den Erwartungen zurückblieben und nur zwei erste Plätze im Brustschwimmen und Kunstspringen in deutsche Hände kamen, so ist das wohl hauptsächlich der geringen finanziellen Unterstützung zuzuschreiben, die unseren Sportsleuten seitens der Behörden zuteil wurde, und die häufig bei der Auswahl der Mannschaften die Tüchtigeren hinter denen zurücktreten liess, die in der Lage waren, die Reisekosten selbst zu bestreiten. Ausserdem mochte das zeitliche Zusammenfallen mit dem Frankfurter Turnfest die deutschen Kräfte geschwächt haben, so dass die olympischen Spiele keineswegs ein zutreffendes Bild deutschen Sportlebens gaben. Die tiefgehende Verstimmung, die wiederholte grobe Verstösse des englischen Publikums und des Festausschusses gegen das Qastrecht unter den deutschen Turnern hervorgerufen hatte, mag durch das nachträglich beim deutschen Reichsausschuss eingelaufene Entschuldigungsschreiben gemildert worden sein, tief bedauerlich bleibt es jedenfalls, dass gerade die Engländer, die man gewohnt war, als sportsmen par excellence zu betrachten, sich eine derart unsportliches Verhalten zuschulden kommen Hessen. Uber den merkwürdigen Verlauf des Marathonlaufes, bei dem der Italiener Dorando disqualifiziert wurde, da er das Zielband nur mit befreundeter Hilfe passieren konnte, und dem Amerikaner Hayes den ersten Platz räumen musste, berichteten die Tageszeitungen ausführlich. Uber die Ergebnisse der Wettkämpfe wird berichtet: Das 1500 m- Laufen hatte folgendes Resultat: Erster M. W. Sheppard (Amerika) 4 Minuten 3% Sekunden (neuer olympischer Rekord), Zweiter Wilson (England) und Dritter Hallows (England). Im Hammerwurf siegte der Amerikaner J. J. Flanagan mit 51 915 m vor seinem Landsmann Mc. Qrath und Walsh (Kanada). Das 3500m-Gehen gewann Q. E. Larner (England) in 14 Minuten 55 Sekunden vor Webb (England) und Kerr. Am dritten Tage gewann der Schwede E. V. Lemming das Speerwerfen mit 54,43 m vor dem Griechen Doriza und dem Norweger Halse. Im Mannschaftslaufen