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Jüdische Turnzeitung · 1908-08-01 · 8/9 (8.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
8/9 (8.1908)
Date
1908-08-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 8/9 157 wir uns auf Turntagen einredeten, das überhaupt der erste Schritt ist, der uns die Berechtigung des Namens Turnerschaft im Sinne einer Organisation mit turnerischer Eigenart und eigenen turnerischen Funktionen gibt, freilich hat der nationale Qedanke uns zusammengeführt, der turnerische aber musste erst in uns entstehen, und in Köln schlug die Stunde seiner Oeburt. Möge er umso kräftiger bei uns gedeihen, als er Zeit brauohte, zu entstehen! 4. Ort der Handlung: Allslaventag, slata Praha. Die auftretenden Personen sind Völker, welche in den Kulturkreis Europas -eintreten wollen und ihren Platz an der Sonne vorerst durch ein paar' kräftige politische Ellenbogenstösse sich sichern zu müssen glauben. Vor allem wollen sie sich selbst einigen und sehen in dem Turngedanken ein mächtiges Mittel zur Förderung der Solidarität. Diese Völker sind grösstenteils Agrikulturvölker und brauchen das Turnen nicht so sehr als Gegengewicht gegen die zunehmende Verderbnis der Rasse durch Industrialisierung und Städtekultur. Dennoch, der Deinste slavische Ort muss einen „Sokol" haben, sagen sie. Denn das Turnen schafft alles Herrliche, was Parteien und Völker erstreben: Brüderlichkeit, Einigkeit, Disziplin, Unterordnung des Einzelnen unter das Qesamtwohl, bei möglichster Entfaltung der Individualität. Ein Memento für unsere Bauern in Palästina! 5. In der „deutschesten Stadt Oesterreichs" versammeln sich 4500 Turner im Zeichen des Arierparagraphen. Der Festredner feiert den Sieg des antis^mitischen Gedankens bei den deutschen Turnern Oesterreichs. Brausende rjeilrufe. Nimm auch unseren Dank, Herr Dr. Schmarda, Vorsitzender des »l Umkreises Deutsch-Oesterreich", falls du ihn als Trophäe deiner Eitelkeit nehmen willst! Der Mann ist ehrlich, drum wollen wir es auch mit ihm sein nd ihm verraten, dass w i r unseren Weg gehen, ohne seiner Hetzreden zu cnten. Wir wollen stets gut jüdisch bleiben und euere arischen Kreise nicht °ren. Euer Geschrei macht den Uberläufern und Anbiederern zu viel Ehre! ' 6. t?'e t'eu*scn-nat'ona'en Juden Oesterreichs ziehen mit ihren Fahnen (Kr "^furt a- M. Die Fohnastong is brocha, jetzt ziagns mitn Trumm. ziz n5' Die Red^ Das geniert sie ja nicht. Wie der Schlachs ,e ,ln Oesterreich seinen Moschko hat, so besitzt auch die Deutsche Turner- Sta ir Hausjuden. Uneigennützige Duldung des Heimatlosen ehrt den die s"' aber verächtlicn ist der, welcher im fremden Heime hockt, während unri ilf" am ei*enen Baue zimmern. Duldung heisst nicht Gleichstellung man h i Brüder»chkeit. Es steckt eine unfreie Halbheit darin. Sie ist finde HaU"e' mancnmal nur Allüre und wurzelt niemals in tiefem Emp- Se ."'er will ich Nietzsche anführen, den mir jedermann als feinen »Ich bi nneT zugestehen wird; er sägt in »Jenseits von Gut und Böse": wären°Ch lteinein Deutschen begegnet, der den Juden gewogen gewesen Von ' und so unbedingt auch die Ablehnung der eigentlichen Antisemiten auch rial|er Vorsichtigen und Politischen sein mag, so richtet sich doch selber 6 Vorsicht und Politik nicht etwa gegen die Gattung des Gefühls den ah sond_ern nur Kegen seine gefährliche Unmässigkeit, insbesondere gegen darüK. e2°nmackten und schandbaren Ausdruck dieses unmässigen Gefühls, — oer darf man sioh nicht täuschen." Das den deutsch-nationalen Juden ins Stammbuch!

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