Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 8/9 (8.1908)
- Date
- 1908-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965115-5965282--2250-4925076- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
156 No. 8 9 In Jerusalem wird an der Lämelschule und am Lehrerseminar geturnt. Die Schüler des Seminars bilden einen Verein „Moriah", bei dessen geselligen Veranstaltungen turnerische Vorführungen niemals fehlen. Mädchenturnen . wird bisher nur am Jaffaer Gymnasium betrieben. Als man vor Jahren zum ersten Male zusammentrat, um einen eigenen jüdischen Turnverein zu gründen, da mag manch einer gleich unserem Herzl in seinem Werke „Altneuland" sich das Bild froher palästinensischer Juden bei gymnastischer Übung erträumt haben. Heute erinnern wir uns der Worte Herzl's: „Traum ist von der Tat nicht so verschieden, wie mancher glaubt. Alles Tun der Menschen war vorher Traum und wird später zum Traume." Von Turntagen und was damit zusammenhängt. Zeitglossen von cand. med. S i e g m u n d Leicht, Oraz. 1. Wir leben im Zeitalter der Kongresse, das ist gewiss. Alles, was gleiche Interessen hat, vereinigt sich in mehr oder minder grossen Bereichen und hält Tagungen ab. Das weckt, erhält und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl des Menschen gleicher Interessensphären, seien diese wirtschaftlicher, kultureller oder politischer Art. Die Zahl der Kongresse sind das beste Zeichen der fortschreitenden Aufklärung und Demokratisierung eines Volkes. Auch der Menschheit? Es gibt heute noch wenige internationale Vereinigungen, und das sind entweder wissenschaftliche oder sozialdemokratische. Auch wir Juden werden von unsern Qegnern international genannt, freilich mit Unrecht. Das wollen wir nämlich erst erreichen, dass wirklich die Juden aller Herren Länder sich solidarisch fühlen, dass wir als Nation in das Konzert der Völker aufgenommen werden! Das erstreben die Zionisten auf den Kongressen, wir Turner auf unseren Turntagen. 2. Der Turngedanke ist heute ein Kulturfaktor geworden, den bereits Jedes Volk richtig einzuschätzen gelernt hat. Es ist ein Zeichen der Zeit, dass fast im Verlaufe eines Monats vier Tagungen stattfanden, welche ganz oder teilweise dem Turngedanken galten: Zu Pfingsten unsere Vorturnerstunde, dann der Turntag des sich „rein"-arisch fühlenden Turnkreises „Deutsch-Oesterreich" und fast gleichzeitig in Prag der Allslavenkongress, welcher einen besonderen Beratungstag der Sokolbewegung widmete. Endlich das Turnfest der Deutschen Turnerschaft in Frankfurt a. M. 3. Die Bedeutung unserer Vorturnerstunde in Köln ist bereits an anderer Stelle gewürdigt worden. Ich erlaube mir nur, die unmassgebliche Bemerkung zu machen, dass trotz aller Portschritte, Wendepunkte usw., d'e