Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 7 (7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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142 No. 7 Aus der Jüdischen Turnerwelt. Strassburg. Jüdischer Turnverein. Am Samstag, den 20. Juni, fand eine ausserordentliche Generalversammlung statt mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht über die Vorturnerstunde in Köln. 2. Anschluss an die Jüdische Turnerschaft. 3. Erhöhung der Beiträge. 4. Erhöhung der Zahl der Vorstandsmitglieder von 9 auf 10. 5. Eventuelle Wahl eines neuen Vorstandsmitgliedes. 6. Sommerprogramm: Turnspiele, Ausflug, Sommerfest. Zu Punkt 1 berichteten der 1. Turnwart, Herr Mayer, und Herr Bader. Der Verein hatte 5 Turner nach Köln entsandt, die sich rege an den Veranstaltungen beteiligten und die mit grosser Freude die Turnbrüder aus anderen jüdischen Turnvereinen kennen und schätzen lernten. Der üeist der jüdischen Turnerei wurde von unseren Vorturnern als belebender Hauch auch in unseren Verein getragen, so dass heute ein viel grösserer Eifer wahrzunehmen ist. Einzelne Anregungen für die Praxis können zum Teil sofort verwertet werden. — Es folgte die Beratung des 2. Punktes: Der Vorsitzende begründete den Antrag des Vorstandes auf Anschluss: Bemerke man heute auf allen Gebieten einen Zusammenschluss der Gleichstrebenden, so habe gerade bei der Turnerei der alte Satz „Einigkeit macht stark" von jeher seine Geltung gehabt. Hier wirken die Leistungen und Erfahrungen der einzelnen Vereine anregend auf die anderen. Besonders nötig sei ein Zusammenschluss bei jüdischen Vereinen, die doch ein eigenes Tätigkeitsgebiet mit spezifischen Aufgaben haben. Die Turnvereine bezwecken auch die Hebung des Selbstbewusstseins, und es ist eine alte Erfahrung, dass der Zusammenschluss am meisten das Selbstbewusstsein stärke. Es müsse unser Wunsch sein, die Arbeiten des Verbandes, der unsere Bestrebung in in die Allgemeinheit trage, nach Kräften zu fördern. Aus diesen Gründen bitte der Vorstand um Annahme des Antrages. Nach längerer, teilweise erregter Debatte schritt man zur Abstimmung. Es waren 46 dafür und 24 dagegen, somit war der Antrag gefallen. Hierauf demissionierte der üesamtvorstand ausser Herrn Bader; die Versammlung wurde auf den 27. vertagt. An diesem Abend erschienen 85 Mitglieder. Nachdem die Versammlung ein Bureau gewählt hatte, begründete der Vorsitzende die Demission des Vorstandes. Nachdem man 1% Jahre mit grosser Mühe und mit Erfolg daran gearbeitet, die jüdische Jugend Strassburgs zu edlen Bestrebungen zu einigen und einen Boden zu schaffen, wo die zahlreichen Gegensätze gerade der hiesigen Bevölkerung überbrückt werden könnten und wo durch emsiges Zusammenarbeiten ein festes Band geknüpft würde, zeuge die Ablehnung des Antrages davon, dass unter unseren Mitgliedern das Verständnis für den Wert organisierter jüdischer Arbeit noch wenig entwickelt sei. Indes sei der Vorstand Uberzeugt, dass die Opposition lediglich von der regen Agitation einiger Weniger gegen den Antrag herrühre. Der Verein sei damit auf die Stufe aller anderen bisher am Platze gegründeten Jugend-Vereine herabgesunken und müsse, wenn nicht die Versammlung sich ihrer Verantwortung bewusst seif auch das Schicksal dieser Vereine teilen. Für diese Zeit des Niederganges wolle der Vorstand die Verantwortung nicht tragen, er wolle lieber, so schwer ihm auch der Rücktritt falle, in Ehren sein Amt niederlegen. Die Anwesenden begriffen den Ernst der Situation, und der vorwöchentlicne Beschluss wurde wegen Formfehlers umgestossen. Die erneute Abstimmung ergab: 68 dafür, 6 daaegen, 11 Stimmenthaltungen. Somit war der Anschluss beschlossen. Wir hoffen, dass auch der Ausschuss der Turnerschaft zustimmt und dass unser Verein ein tüchtiges Glied in der Reihe der jüdischen Turnvereine werde. Der Vorstand nahm nun seine