Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 7 (7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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136 No. 7 zählen, und dann möchte ich den sehen, der uns noch als Schwächlinge verlachen wird. So viel es an uns, an der zionistischen Organisation liegt, werden Sie immer unsere volle Unterstützung finden!" (Stürmischer Beifall.) Herr Rabbiner Dr. Rosenthal begriisst die jüdische Turnerei als eine Sache, die vom Standpunkt des Staatsbürgers und dem des bewussten Juden gleich fördernswert sei, und schliesst mit den Worten: Wir fühlen, es ist ein gemeinsamer Boden. Zur starken Persönlichkeit erzogen zu werden, dass wir fest und sicher stehen, dass wir uns frei fühlen, und dass wir uns einreihen, wo wir hingehören, ist eine der vornehmsten Aufgaben einer solchen Organisation. Sie sind, meine lieben Turner, heute am Rhein gewesen, und ich bin überzeugt, dass des Stromes Wellen das Gefühl der Liebe zum Vaterlande ausgelöst haben. Und doch andererseits fühlen Sic sich als Juden und sind ein leuchtendes Beispiel dafür, wie beides zu vereinigen ist. Die Freiheit der Persönlichkeit mit den Pflichten und der Liebe gegenüber der Gemeinschaft und dem Vaterlande zu vereinen, das ist das Ziel, das uns vorschwebt. Und das meinte auch der grosse deutsche Dichter, der den Sterbenden im Faust die schönen Worte sagen liisst: Solch ein Gewimmel möcht' ich seh'n, Auf freiem Grund mit freiem Volk zu stehn. Zum Augenblicke dürft' ich sagen: Verweile doch, du bist so schön. Diesem Augenblick, meine lieben Turner, streben wir zu, auf freiem Grund zu stehen, und nach dieser Seite hin wünsche ich Ihnen Glück zu Ihrer Turnerei. Ob es als eine jüdische Sache oder als eine deutsche Sache zu betrachten ist, es ist eine gute Sache, und in diesem Sinne rufe ich Ihnen ein kriiftiges „Gut Heil!" zu. (Stürmischer Beifall.) Herr Julius Katzky dankte im Namen des Bar Kochba-Berlin dem Kölner Verein für die brüderliche Gastfreundschaft und wies auf die alten Bande der Freundschaft hin, welche die beiden Vereine seit dem Baseler Schauturnen verbinden. Hierauf ergriff Herr Falkenstein im Namen des Reprüsentantenkollegiums der Kölner Gemeinde das Wort. F.r konnte die Versammlung gleichzeitig als alter Turner begriissen, und gab der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, dass die'Samenkörner, die die Arbeit der Turnerschaft in die Heizen der jüdischen Jugend lege, reiche Früchte tragen werden. Nachdem vier Kölner Turner unter Leitung des Herrn Meyer einige recht schwierige Freiübungen*) vorgeführt hatten, dankte Herr Alfred Sslomon als letzter Redner allen, die zum guten Gelingen der ganzen Veranstaltung beigetragen hatten. An den offiziellen Teil schloss sich ein sehr unterhaltender geselliger. Herr Karl Moses hatte hierzu einen humoristischen und seht wirkungsvollen Prolog gedichtet, den Fräulein Frieda Meyer ausdi uckvoll zum Vortrag brachte. Herr Frank verschönerte den Abend durch Vortrag einiger Lieder und erntete stürmischen Beifall. Dass die schwere Arbeit, die hinter uns lag, der Spannkraft unserer Turner keinen Abbruch jretan hatte, ging aus dem lebhaften F.ifer hervor, mit dem msin allgemein dem Tanz huldigte. *) Die wir in der nichsten Nr. der Jttd. Turnztg. bringen werden.