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Jüdische Turnzeitung · 1908-07-01 · 7 (7.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
7 (7.1908)
Date
1908-07-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 7 135 Im Namen des Ausschusses der Jüdischen Turnerschaft dankte Herr Theobald Scholen dem Vorstande der Kölner jüdischen Qemeinde und unseren Kölner Turnbrüdern für die herzliche Aufnahme, die wir alle in Köln gefunden haben. Nach einer kurzen Pause marschierte eine kombinierte Riege der berliner und Kölner Turner auf und vollführte mit gutem Gelingen eine foihe schwieriger Übungen am Barren. Von den versammelten Turnern sprach jetzt Herr David WolHsohn: Wenn man die Mittel aufzählt, die Deutschland gross gemacht haben, so n|uss man in erster Linie die Turnvereine mitzählen. Und, wenn man von Deutschlands Helden spricht, die die Siege errungen haben, dann muss man den Vater Jahn mitzählen, denn er war es, der die deutsche Turnerschaft seschaffen hat. Und wenn das deutsche Heer Siege erfochten hat, so geführt ein Teil an diesem Verdienst auch dem Vater Jahn und der deutschen Turnsache. Aber ebenso wie auf dem Schlachtfelde, hat auch auf geistigem fiebiete Deutschland ihm viel zu danken. Seitdem unser Volk vor 1800 Jahren in die Zerstreuung getrieben wurde, haben wir körperliche Arbeit nicht mehr so ausüben können, wie es notwendig gewesen wäre, sondern überwiegend geistig gearbeitet, zum Schaden unserer körperlichen Gesundheit. Mit dem Geiste aHein kann ein Volk nicht existieren. Man muss vor allem einen gesunden Körper haben, und unser Volk bedarf dessen ebenso wie andere Völker. Wir brauchen aber auch andere Dinge, die durch das Turnen gefördert werden, nämlich Disziplin; und vor allem braucht das jüdische Volk eines, und das ist selbstbewusstsein. Der berechtigte Stolz, den jeder Mensch hat, «nd der uns Juden abhanden gekommen ist, das Bewusstsein seiner eigenen Würde, den soll uns die Turnerschaft bringen. Die jüdische Turnerei wurde '« den ersten Jahren ihrer Arbeit bekämpft. Aber allmählich hat sie sich durchgerungen und selbst die Anerkennung der Gegner gefunden. Ich hoffe, dass die anderen Gemeinden Kölns rühmlichem Beispiel folgen werden, wenn "ie sehen, dass Sie etwas geschaffen haben. Ihr verehrter Herr Vorsitzender sprach von einer Entente cordiale zwischen der Jüdischen Turnerschaft und der zionistischen Organisation. Es ist aber etwas mehr als eine entente wrdiale. Das Verhältnis zwischen beiden ist so etwas wie das der Mutter zum Sohne. Ohne uns wäre die Jüdische Turnerschaft nicht so hoch gekommen. Auch bei dieser Schöpfung des neuerwachten Judentums schwebte uns als Hauptgedanke vor, dass wir volle Juden sein müssen; nicht nur der Religion nach, wie wir es 1800 Jahre gewesen sind, sondern wir wollen volle Juden und volle Menschen sein. Schreiten Sie nur mutig vorwärts, und vergessen Sie nicht die Mutter. So wie die deutschen Turner den Vater Jahn niemals vergessen werden, vergessen Sie nicht die Mutter z'on. Selen Sie mutig, der Erfolg wird nicht ausbleiben! Sie haben nur einen Teil der Arbeit übernommen, während der Zionismus die ganze Arbeit umfasst. Die Meinung über die Jüdische Turnerschaft hat sich sehr wesentlich Reündert, und wir hoffen, dass sie sich auch wandeln wird, wenn wir einst unser Ziel erreicht haben, das Ziel für die heimatlosen Juden ein ruhiges 1 lätzchen zu finden. Dann werden auch S i e zu den Helden gezählt werden, die als Pioniere am grossen Werke mitgearbeitet haben. Wenn Sie weiter so fortarbeiten, mutig, ziel- und pflichtbewusst, dann wird die jüdische Turnerschaft nicht so wie es heute ist, 2000, sondern 50 000 oder 100000 Mitglieder

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