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Jüdische Turnzeitung · 1908-07-01 · 7 (7.1908) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
7 (7.1908)
Date
1908-07-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No. 7 137 Tummelei. Von Fritz Abrah am -Berlin. Uns jüdischen Turnern ward eine hohe Aufgabe: Wir sollen unserem Volke die Freude wiedergewinnen. Freude an der Natur, Kraftbewusstsein, das Frohgefühl einer vollbrachten körperlichen Leistung oder des mannhaft errungenen Sieges. All das kennt der Ghettojude nicht und wir sollen ihm dazu verhelfen. „Das erste Erfordernis zu gutem Fortkommen im Leben ist, ein gutes Tier zu sein." Nun denn, sähet Ihr je ein Fallen auf der Koppel toben? Hörtet Ihr das frohe Wiehern beim erwachenden Morgen? Dann wisst Ihr, was uns Juden die Turnerei geben wird. Vielen von uns älteren ist es für immer verloren, aber dort wo Knaben und Mädchen in unsere Reihen treten, da werden frohe Juden erwachsen, kein Geschlecht von Stiefkindern. Wie klein erscheint uns da jene zweite Forderung, die uns immer als die wichtigste hingestellt wird: die Disziplin! Wir wollen ihr nicht entsagen, dürfen aber auch niemals die frohe Jugendlust, wo sie unbändig durchbricht, schroff zurückweisen; denn sie ist eine gar zarte Pflanze. Das mögen unsere Jugendvorturner bedenken. Dem deutschen Herrenvolke mochte Disziplin die erste Forderung sein, wir müssen unsere Brüder der Chederdisziplin entwöhnen, bevor sie für die Disziplin des Freien empfänglich sind. Fraget Euch ernstlich: „Steht unser Turnbetrieb überall im Dienste der Freude?" Betrachtet die Ordnungs-, die Freiübungen. Entlastet vor allem das Gedächtnis. Wägt ab, ob uns Juden „Kriegsübungen" (wie s'e bei Jahn heissen) gleich notwendig sind wie Sprung, Lauf und Klettern, wie das Frohgefühl überwundener Hemmnisse. Tu mmelei*) ist es, was dem jüdischen Körper und vor allem der jüdischen Seele frommt! Auch jene höhere Disziplin, die das Kampfspiel uns lehrt. Wendet dem Spielplatz zumindest die gleiche Sorgfalt und die gleichen Mittel zu wie euren Hallen und führet die Jugend 8o oft es möglich zum Spiel und zur Wanderung. Dann wird die jüdische Turnerei zu dem werden, was sie schon längst sein sollte, zur Grundlage aller Bestrebungen, die Israel zu dem machen Sollen, was es ehedem war. Denn zum Schaffen gehört Schaffensfreude und auch sie erblüht aus der Tummelei ungebundener Kräfte. *) Dieses glücklich geprägte Wort fand ich in einem lesenswerten Heft: Die Hebung der physischen Leistungsfähigkeit der schweizerischen Jugend. Aphoristische Winke von Arthur Steinmann, Inf.-Hauptmann. Herisan 1904'. t

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