Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 7 (7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4921092-5965115-5965281--2220-4925047- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 7 131 Den Ordnungsübungen schlössen sich Freiübungen an, die von Moses- Köln ebenfalls ohne Vorbereitung geleitet wurden. Auch an ihnen war Manches auszusetzen. Wie bei den Ordnungsübungen fehlte auch hier dem Leiter vor allem das Bevvusstsein der Befehlsgewalt. Er beherrschte nicht die Übung des Einzelnen und korrigierte sie nicht. Die Leitung ruhte zu locker in seiner Hand. Der Oesamteindruck der Übungen, war deshalb nur ein massiger. Ihr Aufbau war folgerichtig und würde bei Vermeidung der, gerügten Mängel sicherlich ein gutes Bild ergeben haben. Es folgte wieder Geräteturnen. Zuerst Barren unter Führung von Lewin (Bar Kochba-Berlin). Aus Spreizübungen am. Ende des Barrens wurde eine Qruppe entwickelt, die Kippen, Rollen, Überschläge usw. zur Darstellung brachte. Sie war einwandfrei aufgebaut, wurde gut vorgeturnt und im grossen und ganzen von allen Teilnehmern mit Eifer und Verständnis nachgeturnt. Die letzte Übungsgruppe leitete Loewendahl-Köln am Stützreck. Sie zeichnete sich durch grosse Originalität vor allen übrigen Qruppen aus und bot in ihrem Aufbau ein beträchtliches Mass von Abwechselung. Aus der Vorschwebekippe (vom Vorturner Schleifkippe genannt) wurde eine Reihe anderer Kippen und Umschwünge in sehr ansprechender und interessanter Form entwickelt. Mit unermüdlichem Eifer wurden eine ganze Anzahl von Übungen von den lernbegierigen Vorturnern immer wiederholt, bis sie zu »klappen" schienen. Um 6 Uhr war das Turnen beendet. Nach wiederum nur kurzer Erholungspause begann im Restaurant Berlin die Besprechung der vorgeführten Übungen. Die gesamte Folge der einzelnen Qruppen wurde durchgesprochen und in eingehender Weise auf fehler, Versäumnisse, aber auch auf manche vortreffliche Leistung hingewiesen. Qanz besonders rege griff unser unermüdlicher Freund Pollakwien in die Debatte ein, vor allem, um seine Anschauungen in theoretischer und turnsprachlicher Beziehung zur Qeltung zu bringen. Die mehrfach hervorgetretene verschiedenartige Bezeichnung der gleichen Übung Hessen den so oft gehegten Wunsch nach einem gemeinsamen Leitfaden wieder aufleben. Wie fast immer, wurde über die Turnsprache viel gesprochen und noch mehr gestritten, — ob ein Zug eine Spitze haben kann, da er keine Linie, sondern eine Säule ist, — ob der Ausdruck Einerreihe statt Stirnreihe bezw. Flankenreihe beibehalten werden kann usw. Über Vieles wurde Klarheit geschaffen und mancher praktische Wink für den Turnboden von der Versammlung gern angenommen. Die Besprechung dauerte über 2 Stunden und dürfte als die notwendige theoretische Ergänzung der praktischen Turn* arbeit nicht wenig zum Gelingen des Ganzen beigetragen haben, c, Der dritte Tag brachte uns die angekündigte Turnfahrt nach dem £iebengebirge. Unter Bergers Führung ging es per Bahn und Schiff nach Wnigswinter am Rhein, dann zu Fuss auf den Petersberg. Der Regen, welcher am frühen Morgen eingesetzt hatte, Hess bald nach. Oben auf dem Berge genossen wir das herrliche Panorama. Das Siebengebirge und der £nein lagen vor uns. In einer früheren Klosterruine wurde zu Mittag gesessen und — wiederum geturnt, denn einige Tische und Ruinenreste waren u verlockend, um nicht zu einem rasch improvisierten Turnen im Freien Qen Anlass zu bieten. Mit dem Dampfer ging es rheinabwörts nach Köln. 1 n Am Abend {and der «rosse Begrüssungskommers in der Rheinlandn ÜiStatt" 'cn möcnte an ihm nicht vorübergehen, ohne der turnerischen ha?ungen vi gedenken. Die Barrenriege, aus Kölnern und Berlinern m« V}tn<x< bot *hr Bestes und turnte nur Kürübungen. Ganz besonders mochte ich aber die ebenso schwierigen als vortrefflich ausgeführten Frei-