Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 7 (7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7 129 Hieran schlössen sich Dreisprünge. Alle drei Arten, deutscher, englischer und amerikanischer Sprung wurden durchgenommen. Nach einiger Übung wurden teilweise recht ansehnliche Leistungen erzielt. Es iolgte Stabspringen. Der Stab bestand nicht, wie meist üblich, aus Holz, sondern aus einem hohlen Rohr (Mannesmannrohr), und war recht praktisch und handlich. Leider zeigte es sich gerade an diesem Gerät, wie stark das volkstümliche Turnen in unseren Vereinen vernachlässigt wird. Wenn auch vielfach Spielplätze nicht zu erlangen sind, so lassen sich doch leichte, volkstümliche Übungen auch auf dem Turnsaale oder bei Turnfahrten üben. Gerade auf das Letztere muss immer wieder hingewiesen werden. Die 'eichten Handgeräte zum volkstümlichen Turnen lassen sich sehr billig beschaffen und bequem transportieren. Nirgends macht das Turnen mehr Freude, als auf einer Wiese oder einem Waldrain, — beides aber gibt es Uberall. Ich möchte nicht verfehlen, auf das Beispiel eines Berliner deutschen Turnvereins hinzuweisen, der seine häufigen Besuche beim benachbarten Spandauer Turnverein dazu benutzte, seine Mitglieder stets mit Stäben über den Zaun des Grunewalds springen zu lassen. Bei gutem Willen und einiger Anleitung gerade von seiten der Vorturner lässt sich hier sehr viel erreichen. Eine so anregende und wirklich ästhetisch wirkende Übung wie ein guter Stabsprung muss von jedem jüdischen Turner ausgeführt werden können. Die Leistungen in Köln waren sehr mangelhaft. Nur wenige erzielten höhere Sprünge bei guter Körperhaltung. Die Ausführung des Sprunges, Anlauf, Stabhaltung, Aufsetzen des Stabes und Niedersprung wurden eingehend erläutert. Nach kurzer Pause begann ein Faustballspiel zwischen dem J. T. V. Köln und dem Bar Kochba-Berlin. In beiden Qängen zeigten sich die Kölner a|s die überlegenen. Dann folgte ein sehr eifrig betriebenes Barlauf-Spiel, das recht flott durchgehalten wurde. Der vorgerückten Zeit wegen musste v°n weiteren Übungen Abstand genommen werden. Um 1 Uhr endete das Volkstümliche Turnen. Um 3 Uhr ging es wieder zur Turnhalle in der Machabäerstrasse. Das Turnen begann mit Ordnungübungen, deren Leitung ln die Hand von Juliusburger-Bar Kochba (Berlin) gelegt wurde, der sich ohne Vorbereitung cfieses Auftrages entledigen musste. Sie bestanden in Umzügen und Reihungen verschiedener Art. Ausser Mängeln in der Abgabe jfcr Befehle und in der Überwachung derselben, zeigte der Aufbau der Übungen selbst eine ganze Reihe von Schwächen. Unter der Fülle des ganzen litt die Ausführung der Bewegung des Einzelnen. Wenngleich die Leitung des Turnbetriebes in den Händen der berufenen Turrwarte ruht, m1 docn darauf zu achten, dass sich jeder Vorturner ein möglichst grosses Mass von Kenntnissen in der Gestaltung von Frei- und Ordnungsübungen aneignet, denn er soll gegebenenfalls stets in der Lage sein, den behinderten 1 urnleiter zu vertreten. Aus der Reihe der Vorturner muss der Nachwuchs '"r die Turnwarte herangebildet werden. Gerade den kleinen Vereinen Kann nicht dringend genug ans Herz gelegt werden, hierauf ihr Augenmerk z.u fichten. Auch an die Turnwarte selbst ergeht die Mahnung im Interesse «es Ganzen, an der Heranbildung des Nachwuchses fortgesetzt zu wirken, «en Vorturnern durch häufige selbständige Leitung des Turnens unter ihrer ^ufsicht Gelegenheit zu geben, sich weiter zu bilden und diese Bestrebungen Praktischer und theoretischer Natur in jeder möglichen Weise zu fördern, "er Mangel an genügend vorgebildeten Turnleitern ist in der Jüdischen 'urnerschaft noch immer ein so grosser, dass Jede Möglichkeit herangezogen »erden muss, um ihm abzuhelfen. Durch allmähliche Gewöhnung kann ein geeigneter Vorturner mit der Zeit ein recht guter Turnwart werden.