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Jüdische Turnzeitung · 1908-06-01 · 6 (6.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
6 (6.1908)
Date
1908-06-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 6 113 die Liebe zur Mutter Erde. Zur freien Natur und ihren Schönheiten müssen wir unsere Mitglieder iühren. In jedem Lande gibt es besondere Arten des Sports. Aber auch das Turnen wird in jedem Lande seiner Sonderart entsprechend gepflegt. Die französische und italienische Turnerschaft z. B. haben sich ihren völkischen Eigenarten gemäss entwickelt und lehnen sich weit mehr an den Sport an, als die deutsche Turnerschaft. Die jüdische Turnerschaft muss aber noch1 ein weit grösseres Mass von Freiheit in der Ausgestaltung ihres turnerischen Programms walten lassen, da sie Turnvereine umfasst, die in der verschiedenartigsten Weise aufgebaut sind und ihren Übungsstoff fast immer ihrer nichtü'dischen Umgebung entlehnt haben. In einen neuen festen Rahmen Hessen sich diese Vereine schwerlich zwängen. Daher muss das Arbeitsfeld der Jüdischen Turnerschaft weiter gesteckt werden, viel weiter als bei irgend einem anderen Verbände. Alles, was Gymnastik und Körperkultur bringen, muss in ihren Kreis einbezogen werden. Ist hierauf ihr Ziel gerichtet, so kann sie ihren Mitgliedern gegenüber grössere Freiheit walten lassen, als dies z. B. die Deutsche Turnerschaft bezüglich sportlicher Bestrebungen tun kann. Das Turnen muss an erster Stelle bleiben. Ist es möglich, so sollen einzelne Sportarten in den Turnbetrieb eingefügt werden. Umgekehrt ist der Versuch z" machen, in reine Sportvereine das Turnen zu tragen. Dem Fussballklub in Woodbine z. B. würden Turnübungen gewiss Abwechselung bieten. Lässt sich dieses gegenseitige Ergänzen nicht durchführen, so muss doch die Jüdische Turnerschaft auch für den reinen Sport das Zentruni zu bilden versuchen. Ihre Bemühungen in dieser Richtung sind bisher teilweise von Erfolg gewesen. Da die jüdische Turnsache, allen Schwierigkeiten zum Trotz, unleugbar Fortschritte macht, so ist zu hoffen, dass es ihr gerade wegen ihrer eigentümlichen Stellung gelingen wird, sich den Sport zum Freunde zu machen u"d in ihren Dienst einzureihen. Wollen die Mitglieder des Vereins irgend eine Sportart treiben, rudern, Schlittschuh laufen usw., so soll man sie gewähren lassen. Nur der Fehler darf nicht gemacht werden, dass man in ihnen einen besonderen Sportverein oder Sportriege neben dem Turnverein erstehen lässt. Das gemeinsame Ziel wird es jedem jüdischen Turnverein erleichtern, seinen Aufgaben im weitesten Sinne des Wortes gerecht zu werden. Jüdische Bauern. Unsere Volksentwickelung steht derzeit unter einem glücklichen Zeichen; nie ist lauter in unseren Reihen der Ruf frgangen: „Zurück zur Scholle!" Für die grosse Masse unseres Volkes ist „unsere Scholle" Palästina und wird es ewig bleiben. Das wundervolle Aufblühen der zahlreichen jüdischen Kolonien des Landes zeigt, wie unverwüstlich die Grundlagen sind, auf denen unser jung sich regendes Kraftbewusstsein ruht. Aus unserer alten, trauten Erde wird unser Volk die Säfte ziehen, die seinem tausendjährig gemarterten Leib Qenesung und Jugend bringen werden.. Die jüdische Turnerschaft hat in der Zuführung unserer Jugend zu "ervengesunden Berufen, wie Landwirtschaft und Gärtnerei, immer eines der wichtigsten Mittel gesehen zur Erziehung eines kraftvollen, gesunden Geschlechtes*). Es ist kein blosser Zufall, dass in unseren Reihen *) Siehe u. «.: JOdliche Tarnzeitung 1903, Nr. 1 „Wae wir wollen», ferner: Ur> Erim Tuch „Die joditchen Bodenkulturbeitrebnngen in Deutschland.

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