Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 6 (6.1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4921092-5965115-5965279--2195-4925023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 6 III fadwettfahrten, deren grösste Matadoie z. B. bei dem amerikanischen Sechstage-Rennen sowohl 1899 wie 1907 durchweg Fleischesser gewesen sind. Zweitens spielt bei den Vegetarier-Siegen eine grosse Rolle ihre vollständige Alkoholabstinenz, welche ihnen den meisten Fleischessern gegenüber erhebliche Vorzüge gewährt. In der Hauptsache aber sind diese Vegetarier-Siege beim Gehsport auf die Begeisterung und Aufopferung zurückzuführen, mit welcher sie sich aus Interesse an der von ihnen vertretenen Sache auch den äussersten Anstrengungen hingeben. Übrigens beweist die schlechte körperliche Verfassung und die beträchtliche Schädigung der inneren Organe, mit welcher die Sieger bei solchen Rennen regelmässig anzukommen Pflegen, zu welch bedenklichen Folgen ein solch unsinniger Wettsport ausarten kann. Physiologisches Eiweissminimum und Vegetarismus stellen auch für Sporttreibende wohl mögliche, aber nicht empfehlenswerte Ernährungsformen dar. Nach dem Stande der wissenschaftlichen Erkenntnis muss vielmehr auch für die Muskelarbeit beim Sport als das Optimum der Ernährungsart die gemischte Kost gelten, in welcher das Verhältnis der stickstoffhaltigen zu den stickstoffreien Nährstoffen sich wie 1:5 oder wahrscheinlich besser "och wie 1:6 verhalten soll. Eine Bevorzugung der Eiweissnahrung, besonders in Form des Fleisches, ist keinesfalls berechtigt; eher erscheint nach den obigen Auseinandersetzungen eine gewisse Beschrankung derselben gefechtfertigt. Turnen und Sport in der Jüdischen Turnerscbaft. Von Theobald S c h o I e m. •"•ine ebenso interessante als wichtige Frage, die fast an alle Turnvereine herantritt, ist die: Wie stellen wir uns zu sportlichen Sonder- ,'estrebungen unserer Mitglieder? Lässt sich der gleichmässige Turnbetrieb, ann das Turnen überhaupt in nutzbringender Weise mit dem Sport verbunden werden? Überall gibt es Mitglieder, die im Sommer gern rudern oder Rad fahren, im Winter rodeln oder Schneeschuh laufen wollen. Durch ' nK'jederung besonderer Ruderriegen usw. hat man versucht, die Frage zu l&sen. In der Praxis hat es sich jedoch fast immer herausgestellt, dass 'as Turnen im Laufe der Zeit zu kurz gekommen ist. Der aus dem Turnerein hervorgegangene Ruderer wird allmählich Sportsmann, d. Ii. Spezialist f" fv?Cr.e'nziifen Leibesübung, in welcher er durch die besondere Art des bei jedem Sport eigenen Anreizes im gegenseitigen Wettstreit mehr An- (1cgu"Een ';u empfangen und mehr Vergnügen zu finden vermeint, als durch as komplizierte Turnen. Lassen sich die hiermit gegebenen, oftmals vesent- 'cn auseinandergehenden Bestrebungen mit einander verbinden? Wie sollen ,e waschen Turnvereine insbesondere diese Frage lösen? Es ist vor allem erforderlich, dass für alle jüdischen Turnvereine der Ii rftS ^rundsatz in erster Reihe gelten muss: Förderung aller Bestrebungen, >e darauf ausgehen, den jüdischen Körper zu kräftigen. Auch der eingeeischteste Turner, der sonst vom Sport nichts wissen will, kann sich der atsache nicht verschliessen, dass für uns Juden jede körperliche Übung von utzen ist. Angesichts der grossen Schwierigkeiten, die sich gerade uns in steir8 aUf Beschaffu"K geeigneter Turnhallen und Spielplätze in den Weg iei en, jSt es zweckmässig, den Oesichtskreis weiter zu fassen und das enlendc auf andere Weise zu ergänzen. Der wiederholt vorgekommene