Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 6 (6.1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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110 No. 6 Der I. Wiener J. T. V. bezieht seine neue Turnhalle. Am 30. Mai, V28 Uhr abends, fand die feierliche Eröffnung der neuen Turnhalle im Hause IX., Liechtensteinstr. 20 statt. — Wir wünschen, dass für unseren Wiener Bruderverein mit dem Einzug in seine neue eigene Turnstätte eine Zeit grosser Erfolge anbrechen möge. Der Verein hat gezeigt, dass er die Kraft besitzt, das so lange Jahre von ihm beharrlich verfolgte Ziel allen Schwierigkelten zum Trotz sich zu erkämpfen. Das gibt uns, die wir das Gedeihen unseres zweitgrössten Brudervereins mit warmem Herzen verfolgen, die feste Zuversicht, dass wir Ihn auch in Zukunft in der vordersten Reihe unserer Kämpfer für unsere hellige und grosse Sache finden werden! Hedad! Der Ausschuss der Jüdischen Turnerschaft Sport und Ernährung. Von Prof. Dr. A. Albu-Berlm. (Schluss.) Durch zahlreiche Laboratonumsversuche ist festgestellt worden, dass Körper- und Stickstoffgleichgewicht selbst bei täglicher Darreichung von nur 0,6 g Eiweis pro Kilo Körpergewicht aufrecht erhalten werden können. Mit noch erheblich geringeren Eiweissmengen (bis 0,12 g pro Kilo!) sind neuerdings die 26 Versuchspersonen Chittendeiis ausgekommen, und zwar nicht nur für wenige Tage, sondern auf viele Wochen bis zu neun Monaten, und diese Versuchspersonen sind bei dieser minimalen Eiweisszufuhr nicht nur ihrer gewohnten Berufstätigkeit nachgegangen, sondern sie haben teilweise auch Spot Leistungen verrichtet und dabei sonar eine Steigerung ihrer Kraftleistung zu verzeichnen gehabt. Die verblüffenden Resultate Chittendens sind nicht anders zu erklären, als durch die Wirkungen einer künstlichen Dressur, eines psychischen Trainings, dem sich die Versuchspersonen in Begeisterung für die originelle Idee teils bewusst. teils unbewusst aufopferungsvoll hingaben. Es ist ein glänzendes Beispiel für den Einfluss des Willens auf den Körper! Wollten doch einzelne Versuchspersonen freiwillig noch über das hinausgehen, was der Experimentator forderte! So interessant und bedeutsam die Chittendenschen Versuche sind, so dürfen aus ihnen praktische Schlussfolgerungen doch weder im allgemeinen noch speziell für die Ernährung beim Sport abgeleitet werden. Der vegetarischen Kost ist in neuerer Zeit eine Überlegenheit für Sportleistungen von gewisser Seite mit grosser Emphase nachgerühmt worden. Die Veranlassung dazu sind die wiederholten Siege von Vegetarianern im Distanzmarsch. Die Ursache dieser Vegetarier-Siege liegt aber iiir den Sachkenner in ganz anderen Momenten als in der Art der Ernährung. Zunächst pflegen die Vegetarier diesen Gehsport als Spezialität, so dass sie bei derartigen Veranstaltungen stets die überwiegende Mehrheit unter den Konkurrenten bilden. Wo das nicht der Kall ist, pflegen sich auch Fleischesser unter den Siegern zu befinden, wie z. B. bei dem 50 Kilometer-Gepäckmarsch rund um Berlin und dem internationalen 100 Kilometer-Wettmarsch durch Holstein im vergangenen Jahr. Auf anderen Gebieten des Sports haben sich die Vegetarier noch niemals erstklassig erwiesen, nicht einmal bei den