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Jüdische Turnzeitung · 1908-05-01 · 5 (5.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
5 (5.1908)
Date
1908-05-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 5 95 Verschiedenheit der vielen Sportarten kann es naturgemäss keine allgemeingültigen, einheitlichen Ernährungsregeln geben; was für den einen Sport skh als richtig erwiesen hat, braucht für den andern noch nicht zweckmässig zu sein; manches Problem der Ernährung beim Sport ist noch ungelöst, und schliesslich gehen die Ansichten über das, was sich in der Praxis bewährt hat, noch oft auseinander. Auf allen Oebieten des Sports gibt es hervorragende Matadore, welche sich noch niemals an irgend welche Ernährungsvorschriften gehalten haben; aber diese seltenen Ausnahmen können und dürfen für die grosse Masse der Sporttreibenden nicht vorbildlich sein! Wegen' der ungewöhnlichen Lebensverhältnisse, welche die methodische SportUbung mit sich bringt, muss sich die Ernährung im allgemeinen in viel engeren Grenzen und auf viel schärfer markierten Bahnen bewegen, als es sonst im Alltagsleben nötig ist. Bisher werden diese Wege im grossen und ganzen freilich viel mehr von der Praxis als von der Theorie uns gezeigt. Die Wissenschaft vermag einstweilen nur erst wenige bestimmte und spezielle Anweisungen für die „Ernährung beim Sport" zu geben. Aber der Erweiterung und Vertiefung der ernährungsphysiologischen Studien hat in den letzten Jahrzehnten ausserordentlich wertvolle Bausteine zu einer solchen Lehre geliefert und zwar nach beiden Richtungen hin, die dabei in Betracht kommen: nämlich nach Quantität und Qualität der Nahrung. Was zunächst die Menge der Nahrungszufuhr anlangt, so steht sie in stärkster Abhängigkeit von der Frage nach dem Energiebedarf des Körpers. Jeder systematisch betriebene Sport erfordert gesteigerte Muskelarbeit. Kraftumsatz und Stoffwechsel werden aber von keinem anderen Faktor in so hohem Masse beeinflusst, als von der Muskelarbeit. Nach den bisher schon vorliegenden Erfahrungen (namentlich in bezug auf das Radfahren und Bergsteigen) erscheint es sicher, dass der Energieaufwand bei jedem ernstlich geübten Sport dem Kraftverbrauch bei schwerer körperlicher Arbeit gleichkommt. Was ist aus diesen Feststellungen zu folgern? Einem ungewöhnlichen Kraftverbrauch muss eine ausserordentlich starke Energiezufuhr entsprechen! Und zwar nicht nur für die Leistung einer speziellen Wettaufgabe, ja nicht nur für die Dauer des Trainings, sondern für alle systematisch betriebenen Sportübungen. Bei Atwater und Sherman finden wir die beträchtlichen, teilweise sogar erstaunlichen Qrössen des Kostmasses einer ganzen Reihe verschiedenartiger Sportsleute angegeben. Jaffe berechnete den Brennwert der Nahrung einiger amerikanischer Fussballspieler auf 7—8000 Kalorien*) pro Tag, True beobachtete Zufuhren in Mengen von 5700 Kalorien, der bekannte Athlet Sandow braucht 4460 Kalorien und dergleichen mehr. Wer dauernd den erhöhten Kraftanstrengungen eines Sports Qeniige leisten will, für den ergibt sich also in bezug auf die Ernährung die Notwendigkeit einer sehr reichlichen Nahrungszufuhr, welche etwa um % über das gewohnte Normalmass hinausgehen und bei etwaigen übermässigen Anstrengungen noch entsprechende Steigerungen erfahren muss. Beim Training pflegt oft ein mehr oder minder erheblicher Körpergewichtsverlust einzutreten, der häufig geradezu heiss erstrebt wird. Er ist *) Unter einer .Kalorie* versteht man diejenige Wärmemenge, die notwendig ist, um x Liter Wasser um i° Cels. zu erwärmen. Da der Nährwert unserer Nahrungsmittel grösstenteils von ihrem .Brennwert* abhingt, so wird die Nahrungsmenge gewohnlich in .Kalorien* berechnet. (D. Red.)

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