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Jüdische Turnzeitung · 1908-05-01 · 5 (5.1908) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
5 (5.1908)
Date
1908-05-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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96 No. 5 in der Hauptsache auf den Schwund des überschüssigen Körperfetts zurückzuführen, das für die Entfaltung stärkerer Muskeltätigkeit nur hinderlich zu sein pflegt. Die englischen Trainer verbieten deshalb z. B. ihren Zöglingen grundsätzlich den Qenuss aller fetthaltigen Nahrung. Das geht aber weit über das wünschenswerte Ziel hinaus, da dadurch häufig ein Zustand chronischer Unterernährung hervorgerufen wird, an welchem neben dem fast völligen Fettschwund der Verlust an Eiweiss bzw. Fleisch einen beträchtlichen Anteil hat. Dass der Körper bei solcher Unterernährung leistungsfähig bleibt, erklärt sich aus der Qewohnheit. Jeder Organismus ist imstande, sich auch .einem geringeren Mass an Nahrungszufuhr langsam anzupassen. Klassische Beispiele dafür sind die Athleten in Chittendens Versuchsreihe, welche trotz ihrer in mehreren Monaten eingetretenen Gewichtsverluste bis zu 9 kg leistungsfähig blieben oder sogar eine erhöhte Kraftleistung zeigten. Wie wenig beweiskräftig und vorbildlich aber diese von Chittenden geprüfte Ernährungsart für die Sportpraxis sein kann, soll weiterhin näher ausgeführt werden. Am schärfsten pflegt der rapide Körpergewichtsverlust bei kurzen, exzessiven Wettsportleistungen hervorzutreten, weil den dabei stattfindenden enormen Kraftverbrauch auch die stärkste Nahrungszufuhr niemals aufwiegen kann. So hinderlich ein Ubergewicht für Ausübung jedes Sports ist, so bedenklich ist andererseits der Eintritt einer Unterernährung infolge unzureichender Nahrung, weil er bei den meisten auf Jahre hinaus einen Schwächezustand hinterlässt, der akute und chronische Gefahren mit sich bringt Um zwischen Über- und Unterernährung hindurchzusteuern, ist es für den Sporttreibenden von Wichtigkeit, nicht nur die Menge, sondern auch die Art der Nahrung zu berücksichtigen. Was die qualitative Zusammensetzung der Kost anbetrifft, so drängt sich zugleich ein Vergleich mit der Ernährungsweise der körperlich schwer arbeitenden Bevölkerung (Schmiede, Lastträger, Bauernknechte, Bergleute u. dgl.) auf. Daraus ergeben sich aber keine einwandfreien Schlussfolgerungen, weil de soziale Momente einen bestimmenden Einfluss ausüben. So viel aber lässt sich dennoch aus den zahlreichen in der Literatur vorliegenden bezüglichen Mitteilungen (am reichhaltigsten in neuerer Zeit von Atwater und seinen Mitarbeitern) deutlich erkennen, dass an der bei schwerer Arbeit stets nachweisbaren Steigerung der Nahrungsmenge im allgemeinen alle drei Nährstoffe in annähernd gleichem Verhältnis beteiligt sind. Es sind anscheinend land- und volkswirtschaftliche Faktoren, welche bald die Vermehrung von Eiweiss, bald an Kohlehydraten oder Fett in der Nahrung bedingen. In Deutschland und anderen Ländern Europas Uberwiegt im allgemeinen die Zulage an Kohlehydraten, in Amerika dagegen fällt die Vermehrung der Fettnahrung auf. Dieser Tatsache entspricht eine oft berichtete Beobachtung, dass Leute, welche durch ihren Beruf ständig Sport zu treiben gezwungen sind, wie Senner, Qemsiäger, Bergführer u. dgl., eine vornehmlich aus Kohlehydraten bestehende Kost (reichlich Brot und Speck) zu geniessen pflegen. Andererseits ist namentlich in England, dem Ursprungslande des Sports, oft eine vorwiegende Fleischkost für den Sport empfohlen und durchgeführt worden. (FortMtiung folgt.)

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