Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 9 (1908)
- Issue
- 4 (4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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76 No. 4 auch mit üenufetuung konstatieren können, dass es ihnen gelungen ist, eine Anzahl von Juden dem Turnen zuzuführen, die nimmer daran gedacht hatten, dem Turnen in nichtjüdischen Vereinen obzuliegen. Die jüdischen Turnvereine setzen es sich aber auch zur Aufgabe, neben der körperlichen Kräftigung der Juden ihre moralische herbeizuführen. Sie gehen von der Annahme aus, dass der Antisemitismus, der sich darin ausspricht, dass man zwar nicht grundsätzlich gegen die Juden ist, sich aber nach Möglichkeit in jeder Hinsicht von ihnen absondert und sie von sich fern hält, zum grossen Teil dadurch hervorgerufen wird, dass die Juden ihre Eigenart zu verleugnen suchen und sich bemühen, ihre Eigenart aufzugeben. Auf diese Weise gelingt aber niemals eine harmonische Aussöhnung, es entstehen nur verkümmerte und .teilweise karrikierte Individuen, die den Spott und den Widerwillen vollbewusster Völker herausfordern. Und dadurch, dass die Jüdischen Turnvereine sich bemühen, ihren Mitgliedern den Stolz auf ihr Judentum beizubringen und sie zu veranlassen suchen, ihre jüdische Eigenart nach Kräften zu entwickeln, wollen sie sie zu sebstbewussten, ausgereiften Persönlichkeiten heranziehen, die als vollwertige Juden vollwertige Menschen sind und die auf diese Weise am besten in die Lage versetzt werden, Hand in Hand mit den Deutschen zum gemeinsamen Wohle des gemeinsamen deutschen Vaterlandes zu wirken. In der Diskussion ergriff zunächst der Repräsentant Bier das Wort, indem er sich in begeisterten Worten als ein warmer Freund der jüdischen Turnsache hinstellt. Sodann antworteten drei Qegner, die Herren Bendix, Loeb und Cohn, die die bekannten Einwände gegen das Turnen in jüdischen Turnvereinen vorbrachten. Ihnen erwiderten die Herren Berger und Auerbach unter dem lebhaften, oft begeisterten Beifall der fast 200 Personen zählenden Versammlung. — Der ganze Abend verlief äusserst anregend, und es war zu konstatieren, dass die überwältigende Mehrheit der Versammlung auf Seiten der Freunde der jüdischen Turnsache stand, was auch mit einer ganzen Reihe von Neuanmeldungen bewiesen wurde. Einen Uberaus angenehmen Verlauf nahm der Famtlienabend. den unser Verein an Sonnabend, den 22. März, veranstaltete. Unter der geschickten Leitung des Herrn Alfred Salomon wickelte sich das Programm sehr flott ah. Dieser hatte auch mehrere hübsche gemeinschaftliche Lieder beigesteuert, von denen besonders dasjenige mit der Uberschrift „Warum turnen wir in der' jüdischen Tuinerschaft" wegen seines gutnationalen Qehaltes allgemeinen Beifall fand. Von den einzelnen Darbietungen seien besonders hervorgehoben die Oesangsvortrüge des Frl. David und des Herrn Opernsängers Frank, der sich immer und immer wieder zu Zugaben verstehen musste, die Rezitationen des Frl. Löwendahl und der Herren Schmitz und Tobar, wie auch die Klaviervortrüge der Herren Moses und Speiser. Die Damen Meyer und Katz brachten ein humoristisches Potpourri Uber Vereinsinterna. Ein Tänzchen hielt die zahlreichen Teilnehmer der fröhlichen Stunden noch recht lange beisammen. Prossnitz. Jüdischer Turnverein. Am 9. März fand unsere Generalversammlung statt. Der fünfjährige Bestand des Vereins bot dem Schriftführer Anlass, die Entwicklung des Vereins von seinen Anfängen zu verfolgen, und er konnte mit Freude konstatieren, dass das damals von wenigen jungen beherzten Männern geschaffene Werk bald zu einem festen Körper sich konsolidierte. Stets in enger Fühlung mit dem hiesigen Einzelverein „Zlon" und der Ferialverbindung jüdischer Hochschüler „Qiskalah", teilweise sogar deren Zugehörige zu seinen Mitgliedern zählend, verblieb ihm meist nur das Betreiben der Leibesübungen als Programmpunkt; denn die genannten Vereine hatten ja als Hauptzweck die nationale Erziehung der hiesigen Judenschaft zu verfolgen, was selbstverständlich uns von dieser Arbeit auf dem