Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turnzeitung · 1908-04-01 · 4 (4.1908) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
9 (1908)
Issue
4 (4.1908)
Date
1908-04-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4921092-5965115-5965277--2149-4924978
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

75 lung statt, in der darüber Beschluss geiasst werden soll, wieweit unser Turnhallenhaufonds für die Adoptierung und Einrichtung des neuen Lokals anzugreifen ist. Uber den Verlauf werden wir später berichten. Am 14. März, abends, fand im „Städtischen Kursalon" unser Schauturnen statt vor einem auserlesenen Publikum von ca. 800 Personen. Stürmisch begrüsst, eröffnete die 60 Mann starke Männer-Abteilui<g mit einem Aufmarsch. Unter Leitung unseres I. Turnwartes, Herrn Rudolf Pollak, gelangten dann nach dem Takte der Musik die Freiübungen (ohne Belastung) zur Durchführung. Die Zusammenstellung der Figuren war äusserst sinnreich, die Ausführung eine exakte und gab zweifellos Zeugnis von dem grossen Ernst und der Ausdauer, mit der jeder Turner sich seiner Aufgabe unterzogen hatte. Ein Olanzpunkt des Abends war der von 24 Turnerinnen der Damen- Abteilung geschrittene Fahnenreigen, der ganz bedeutende Anforderungen an die Aufmerksamkeit der Damen stellte. In dem darauf folgenden Qerätturnen leistete die 1. Riege am Barren Hervorragendes. Die Übungen gehörten zu den schwierigsten, die an diesem Qerät überhaupt in Betracht kommen. Ausserdem turnten durchweg tadellos die 2. Riege am Seitenpferd, die 3. Riege Bock—Pferd lang, die 4. Riege Freispringen am elastischen Sprungbrett und die Altersriege amReck. Viel Beifall fand eine Schar auserlesener Turner in Freiübungen mit gegenseitiger Unterstützung und einigen Pyramiden. Den Abschluss bildete eine Musterriege am breitgestellten Tisch, die mit ihren kühnen Sprüngen starken Effekt machte. Nach Beendigung der Freiübungen hielt unser Obmann, Dr. Ludwig Werner, eine kurze Ansprache vor der im geschlossenen Reihenkörper aufgestellten Männerabteilung. Dr. Werner streifte die gedeihliche Ent¬ Wickelung des Vereins, der aus eigener Kraft in der Ausbildung seiner Mitglieder es bis zu den Leistungen des Schauturnens gebracht habe. Mit der Übersiedelung in das neue Turnlokal, IX, Lichtensteinstrasse 20, das in jeder Beziehung geeigneter ist, beginne eine neue Epoche für den Verein, und es sei zu wünschen, dass die jüdische Öffentlichkeit demselben mehr Aufmerksamkeit widmen möge. Er schloss mit einem Hedad auf den Verein. Dem Schauturnen folgte ein gemütliches Tanzkränzchen, bis die Morgendämmerung auch die letzten Teilnehmer an den Heimweg mahnte. Köln. Jüdischer Turnverein. Mariahilfstr. 10 III. Im Jüdischen Turnverein zu Köln sprach am Montag abend, den 9. März, Herr Dr. Elias Auerbach-Berlin über das Thema: „Warum turnen wir in der Jüdischen Turnerschaft?" Der Redner ging von den bekannten Gründen aus, die eine gewisse körperliche Minderwertigkeit der Juden hervorgerufen haben, die jahrhundertelange Abschliessung hinter Ohetto-Mauern und nach deren Fall die vorzugsweise Beschäftigung mit geistigen Fragen oder in solchen Berufen, die hauptsächlich mit dem Kopf zu arbeiten gezwungen sind. Das Ergebnis ist eine Ausbildung der Geisteskräfte auf Kosten derjenigen des Körpers, ein Umstand, der am krassesten in der Tatsache Ausdruck findet, dass die Juden einen besonders hohen Prozentsatz zu den geistig oder nervös Erkrankten stellen. Diese Tatsache habe insbesondere in letzter Zeit innerhalb der Judenheit grosse Beachtung gefunden und habe veranlasst, dass allerseits die Forderung nach einer intensiveren und geregelteren körperlichen Ausbildung der Juden erhoben wurde. Trotz alledem ist der Prozentsatz der Juden, der in den bestehenden Vereinen der deutschen Turnerschaft turnt, auffallend gering. Offenbar aus denselben Gründen, die überhaupt eine schwächere Anteilnahme der Juden an nichtiiidischen Vereinen bedingen. Dem bestehenden Mangel suchen die jüdischen Vereine abzuhelfen, die denn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.